Full text: Volume (Bd. 3 (1844))

356 H. Keller, Ueber die unbedingte Haftpflicht des ven3!to^ ignorans
Bevor wir hierzu übergehen, mögen noch einige Betrach-
tungen, wozu die neue Meinung unwillkührlich anregt, hier
einen Platz finden.
§. 3.
Die gegnerische Theorie gelangt nach den eigenthümlichen
Grundsätzen, wovon sie ausgeht, zu den Resultaten, daß außer-
halb des Sclaven- und Viehverkaufs der Verkäufer wegen Män-
gel nur dann haftpflichtig sei, wenn ihm bei gehöriger Auf-
merksamkeit die Entdeckung des Fehlers möglich gewesen wäre,
sonst aber nur dann, wenn er vermöge besonderer Sachkenntniß
als ein Wissensollender zu betrachten sei u). Dieses letztere
Resultat scheint mir, wenn man einmal der gegnerischen Mei-
nung über die bedingte Haftpflicht des venckitvr iZnvrsu« bei-
tritt, nicht das richtige zu sein. Wenn bei dem Verkäufer, der
mit Sachen von der Beschaffenheit, wie die verkaufte war,
Handel oder Gewerbe treibt, sich wegen dieser seiner Eigen-
schaft die bedingte Haftpflicht in eine unbedingte verwandeln
soll, so muß sich für diese Behandlung doch ein rechtlicher
Grund angeben lassen. Einen solchen bietet aber die vom Ver-
käufer billiger^Wei'se zu erwartende Sachkenntniß nicht dar. Die
bloße Vermukmng seines Wissens kann ohne eine Verpflich-
tung dazu ihn noch nicht verbindlich machen. Denn wie, wenn
im einzelnen Falle ihn seine Wissenschaft verließ, wenn er aus
Unkenntniß — über die wahre Beschaffenheit der Sache irrtei3) ?
Spricht man dem oft erwähnten unbedingten Gebote der Aedi-
len. seine Geltung außerhalb des Sclaven- und Viehverkaufs ab,
so ist es auch nicht zu rechtfertigen, wenn man hiervon für
jenen besonderen Fall wiederum eine Ausnahme machen will.

") S. Busch S. 236. 244.
,s) Vgl. Gesterding tm Archiv f. c. Pr. IV. @.22, der den nämlichen
Grund bei Beantwortung der Frage geltend macht, ob von dem Käu-
fer die Bekanntschaft mit den Mängeln bei Sachen gefordert werden
könne, deren Beurtheilung in das Bereich feines Faches gehört. —
Ebenso: Thöl, Handelsrecht I. S. 261. T. zu Not. 21 ff.

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