Full text: Volume (Bd. 3 (1844))

348 H. Keller, Hebet die unbedingte Haftpflicht des venditor ignorans
»Causa hujus edicti proponendi est, ut occurratur
fallaciis vendentium et emtoribus succurratur, qui-
cunque decepti a venditoribus fuerunt: dummodo
sciamus venditorem, etiamsi ignoravit ea, quae Aedi-
les praestari jubent, tamen teneri debere: nec est
hoc iniquum, potuit enim ea nota habere venditor,
neque enim interest emtoris, cur fallatur, ignorantia
venditoris an calliditate.»
Zur Verständigung über Sinn und Inhalt dieser Stelle
scheint eine Paraphrasirung der Worte Ulpian's vornämlich
geeignet:
»Das leitende Moment, das für die Aedilen bei Er-
lassung des Edicts bestimmend ward, lag in der Ab-
sicht, den Betrügereien der Verkäufer dadurch Ein-
halt zu thun, daß man sie unmöglich machte. Wäh-
rend die Käufer bisher den mannigfachsten Täuschun-
gen preisgegeben waren, gewährte man ihnen jetzt
einen unbedingten Schutz. Unbedingt insofern, als
man den Verkäufer haften ließ, auch wenn er im
concreten Falle mit den Fehlern unbekannt geblieben,
deren Gewährung die Aedilen vorschreiben. Auch ist
hierin keine Unbilligkeit zu finden. Denn die Mög-
lichkeit, Kunde von den Fehlern zu haben, war doch
für den Verkäufer da. Und sodann ist das wesent-
lichste Moment, die absolute Begünstigung des Käu-
fers, nicht zu übersehen. Nun ist es aber klar, daß
für ihn und den Zweck seiner Sicherstellung es keinen
Unterschied bildet, ob seine Täuschung (seine irrige
Vorstellung von der Sache) durch ein beabsichtigtes
oder unabsichtliches Schweigen des Verkäufers (durch
«calliditas« oder »ignorantia«) herbeigeführt ist.«
§.2.
Mittelpunkt und Kern der ädilitifchen Gesetzgebung bildet
das Gebot der Fehleranzeige. Alle übrigen Bestimmungen

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