Full text: Volume (Bd. 3 (1844))

346 H. Keller, Ueber die unbedingte Haftpflicht des inditor ignorans
herrscht *), und die Praxis hat demgemäß die ädilitischen Be-
stimmungen in gleicher Weise bei Mobilien und Immobilien,
wie bei Moventien zur Geltung gebracht.
Auch diesmal ist es nicht die Ausdehnbarkeit der ädiliti-
schen Grundsätze überhaupt, welche man zum Gegenstand eines
Angriffs gewählt hat. Der Streit betrifft vielmehr nur die
Grenzen der Ausdehnung, die Frage nach der Nothwendigkeit
gewisser subjectiver Voraussetzungen in der Person des Ver-
käufers.
Bekanntlich haben die Aedilen durch die kategorische Ver-
pflichtung des Verkäufers zur Anzeige der Mängel in Bezug
auf seine Haftverbindlichkeit den Unterschied zwischen ignorantia
und scientia desselben zur vollständigen Aufhebung gebracht.
Diese unbedingte Verantwortlichkeit läßt man nun zwar inner-
halb der ursprünglichen Grenzen des Edicts unangefochten.
Dagegen außerhalb des Sclaven- und Viehverkaufs, also da,
wo die ädilitischen Vorschriften gleichmäßig zur Anwendung
kommen, glaubt man eine Verletzung aller Analogie darin zu
finden, wenn man jenen Grundsatz in derselben unbedingten
Weise, wie ihn die Aedilen ausgesprochen, gelten läßt! Die
Gleichstellung des unwissenden Verkäufers mit dem dolosen soll
hier an die Bedingung geknüpft sein, daß seine Unwissenheit
den Charakter der Unentschuldbarkeit an sich trägt.
Durch diese neue Theorie?) wird, von anderen Bezie-
hungen abgesehen, in die Lehre von Gewähr der Mängel der
Begriff von culpa auf eine Weise eingeführt, die allein schon
zu einer näheren Betrachtung auffordert.
1) Wie wenig Anklang die abweichende Meinung von Gans (Archiv f. c.
Pr. II. Abh. 9) gefunden, ist bekannt. S. über deren Verwerflich-
keit meine Abhandlung: »Ueber das Verhältniß u. s. w.« in diesen
Jahrbüchern III. S. 121 fgg.
2) Welche von Busch aufgestellt wird, im Archiv f. c. Pr. XXVI. Abh. 9:
»Finden die gesetzlichen Vorschriften, nach denen für geheime Fehler
der verkauften Sache auch der venditor- ignorans haftet, auch außer-
halb des Sclaven- und Vtehverkaufs unbedingt Statt?«

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