Full text: Volume (Bd. 3 (1844))

268 Dr. A. A. v. Buchholtz, zur Lehre vo» den Wechsellegaten.
princip, welches auch nach der Ansicht von Alciat der bisher
betrachteten Entscheidung des Paulus zum Grunde liegt,
auch da Anwendung finden muß, wo ungleiche Summen ein-
ander gegenüber stehen. Scavola legt hier nämlich seiner
Entscheidung einen Fall unter, den wir auf folgende Weise
individualisircn können ").
Ein Bruder und eine Schwester sind beide auf gleiche
Theile zu Erben eingesetzt; die Erbschaft betragt 200; der
Schwester sind aus der Erbschaft Sachen, 20 an Werth, dem
Bruder Erbschaftssachen, 160 an Werth, pralegirt. Die Schwe-
ster soll also vom Bruder 10 an Werth bekommen, denn die
andere Halste hat sie schon Iiereclilario jure; und der Bruder
soll 80 an Werth von der Schwester bekommen, denn auch er
hat bereits die andere Halste lierecliiario jure. Nun erklärt
die Schwester, nur 75 fortgeben zu wollen, weil wenn sie 80
leistete, sie in ihrer Quart verletzt wäre. Scavola erklärt
sich dahin, daß ihr zwar dies Recht zustehe; sie habe aber als-
dann zu gewärtigen, daß ihr Bruder die ihr gebührenden Le-
gate, 10 an Werlh, so lange zurückbehalte, bis sie den vollen
Betrag der ihr aufcrlegten Pralegate gezahlt habe 4i). Denn
wer da will, daß sein Miterbe den letzten Willen des Erblas-
sers befolge, muß selbst der Billigkeit gemäß dasselbe thun,
zumal da der Abzug der Falcidischen Quart immer als etwas
dem Testator nicht Genehmes von den Römischen Juristen be-
trachtet wird.
Wir kommen nun auf die zweite dem Juristen im kr. 22.
vorgelegte Frage. Paulus sagt, das Verhaltniß der simpeln
Legataricn wird durch diese Compensation, welche zwischen den

4i) Siutenis (Das Corpus juris civilis itt's Deutsche übersetzt, Bd.
111. S. 699. Note 71 zu diesem Fragmente.) gesteht, daß er den Ca-
sum nicht habe herauSbringen können, so daß er ihm genügt hatte.
45) Waren nur Summen legirt, so hatte natürlich der Bruder nicht alle
zehn zurückbehalten dürfen, scuderu nur soviel (5), als die Schwester
vermöge der lex Falcidia abziehen konnte und wollte.

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