Full text: Volume (Bd. 3 (1844))

248 Dr. Stem an u, über die Geschäfte, bei welchen die auctoritas
res mancipi einer Frau, welche in der Tutel ihrer Agnaten
stand, nicht hatten usucapirt werden können, wenn sie nicht von
ihr unter Auctorität des Vormundes tradirt waren, und damit
stimmt Überein, was Cicero ") sagt: de tutela legitima ni-
hil usucapi posse. — Wenn die Meinung Derer richtig wäre,
welche annehmen, daß in der ältesten Zeit, in welcher es nach
Gajus nur eine Art Eigenthum gab und man entweder ex
jure Quiritium oder gar nicht Eigenthümer war, das Eigen-
thum an allen Sachen nur durch eine Quiritarische, nicht durch
eine natürliche Erwerbart erworben werden konnte, so hatte
eine Frau schon deshalb kein Eigenthum übertragen können,
weil sie zu jedem civile negotium der auctoritas tutoris be-
durfte, und so wäre durch das Verbot der Usucapion bewirkt,
daß überhaupt jede von ihr ohne Vormund vorgenommene
Veräußerung ganz wirkungslos und dem Vormunde unschäd-
lich war. So sind denn auch Manche der Meinung, in der
älteren Zeit sei nicht bloß die Veräußerung einer res mancipi,
sondern aller Sachen ohne Vormund unzulässig gewesen, jene
Worte des Gajus seien so zu verstehen, daß man annehme,
er führe die Vorschrift der XII Tafeln, welche ursprünglich sich
auf alle Sachen bezogen habe, so an, wie sie später gegolten
habe, und erst in der späteren Zeit sei es angenommen, daß
die Frau eine res nec mancipi auch ohne Vormund veräußern
könne 10°). Es ist indessen schon von Mehreren mit Recht
bemerkt, daß jene Erklärung sehr gezwungen und den Worten detz
Gajus durchaus nicht angemessen ist 101), und auch jener
Ansicht, daß in der älteren Zeit das Eigenthum an allen
Sachen nur durch eine solenne Veräußerung habe übertragen
®9) Ad Att. I, 5.; auch die Stelle in der Rede pro FJacco c. 35. nihil
polest de tutela legitima sine omnium tutorum auctoritate deminui:
bezieht sich nur auf die in manum conventio durch usus, also usucapio.
roo) Ballhorn-Rosen, über dominium, S. 114—117. Hugo, S.
196. 466 fg. Zimmern, S. 921 fg.
l01) Schräder, Was gewinnt. S. 11. Dirkfen, XII Tafeln,
S. 319. Schilling, S. 153 fg.

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