Full text: Volume (Bd. 3 (1844))

214 Dr. Keller, über die rechtliche Bedeutung des Faktums
sung der Stelle beruht daher wesentlich auf einer negativen
Begründung.
Wir fanden in der Beziehung der L. 6 pr. auf die Frage
nach der Capitalverbindlichkeit ein Mißverständnis Ebenso er
kannten wir die Idee einer Zinsverjährung und eines stillschwei-
genden Zinsvertrages, gleichwie die Beschränkung des in unserer
Stelle enthaltenen Rechtssatzes auf den Erben des Zahlenden
als unbegründet und im Widerspruche mit bekannten Rechts-
grundsätzen. Eine solche Collision ist bei der Interpretation
der kaiserlichen Entscheidung um so mehr zu vermeiden, als —
wie bereits angedeutet ist — Antonin hier das Amt des
Richters übte, so daß die Absicht, er habe einen neuen Rechts-
satz einführen wollen, nicht angenommen werden darf.
Gerade von dieser Seite her scheint sich unsere Auffassung
der Stelle zu empfehlen. Hiernach ist die Gestaltung des con-
creten Falles folgende: Der Erbe des pater oder dominus
war von dem Gläubiger des Sohnes oder Sclaven mit der
de in rem v. actio belangt worden. Der Streit zwischen den
Parteien drehte sich nur noch um die (seit dem Tode des Erb-
lassers entstandenen) Zinsen. Das Dasein einer Zinsverbindlich-
keit, d. h. einer voraufgegangenen Stipulation stellte der Erbe in
Abrede, wiewohl er das Factum einer fortdauernden Zinsenprä-
station von Seiten des Erblassers, auf das der Gläubiger sich
berufen, zugestehen mußte. Bei dieser Sachlage entschied nun der
Kaiser, der Erbe sei zur Bezahlung der Zinsen verpflichtet, da
durch die langjährige Zinszahlung des defunctus die Vermu-
thung für eine rechtliche Verbindlichkeit dazu begründet werde.
Man hat es dieser Erklärung wiederholt vorgeworfen, daß
sie mit den Worten der Stelle insofern nicht übercinstimme,
als hier ja an das Factum, welches nur eine Präsumtion er-
zeugen solle, eine directe und unbedingte Verurtheilung
des Erben geknüpft werde 73). Allein was den ersteren Punkt
;*) Gesterding, a. a. O. S. 9; Schweppe, Haiidb. I. §. 194.
S. 152; Müller, a. a. O. S. 234.

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