Full text: Volume (Bd. 3 (1844))

168 Pr. Keller, über d- Verhältniß d. ädil. Edicts zum Civilrecht
der Mangelhaftigkeit des Sclaven bis zu dem Zeitpunkte, wo
er wirklich davonlief, unbekannt geblieben: wie konnte der
Kaiser die adilitischen Rechtsmittel, deren Verjahrungszeit, als
mile tempiis, bei versteckt liegenden Fehlern doch erst vom
Augenblicke der Bekanntschaft des Käufers mit den Mangeln
der Sache zu laufen begann i3i), deshalb für unzulässig er-
klären, weil seit dem Abschlüsse des Kaufes bereits ein Jahr
verstrichen? Wir dürfen mithin unbedenklich annehmen, daß in
dem von Gordian entschiedenen Falle der Käufer durch die
nach Jahresfrist vorgekommene Flucht des Sclaven nicht erst
überhaupt mit seiner Eigenschaft als fugitivus bekannt gewor-
den war, sondern daß er schon früher davon gewußt oder doch
ohne große Mühe davon halte Kunde erlangen können. Ohne
eine solche Voraussetzung würde die Ausschließung der ädiliti-
schen Ansprüche bloß aus dem Grunde, weil seit abgeschlosse-
nem Contracte bereits ein Jahr verlaufen, nicht wohl begreiflich
sein. Es laßt sich daher vermuthen, daß das fragliche Re-
script sich auf einen Fall bezieht, wo der Käufer das Dasein
der Bedingungen, unter welchen die Verjährungszeit der ädili-
tischen Klagen militer berechnet wird, nicht zu behaupten ver-
mocht hatte is*).
Jedenfalls ist der Inhalt der citirten L. 2. Cod. von der
Art, —und insofern wird diese Stelle hier für uns von Wich-
tigkeit — daß sie für die Lösung der Frage, ob der Käufer
nach Ablauf der für die adilitischen Klagen vorgeschriebenen
Fristen seine Ansprüche noch mit der actio emti verfolgen
könne, ganz ohne Bedeutung bleiben muß. Eine Concurrenz

Ial) L. 19. §. 6. D. de aed. ed. L. 55. eod.: — »non videbitur po-
testatem experiundi habuisse, qui vitium fugitivi latens ignoravit;
non idcirco tamen dissolutam ignorationem emtoris excusari
oportet.« — Etwas abweichend ist die Auffassung dieses Punktes bei
v. Savigny, System d.R. R. M. S. 413 fg., vgl. mit S.410 fg.
13#) Vgl. Unterholzner, in der angef. Abhdl. S. 95, Note 72. Der-
selbe, in d. Lehre v.d.Schuldverhältniffen Bd.2, S.274, Note r a.E.

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