Full text: Volume (Bd. 3 (1844))

124 Dr. Keller, über d. Verhältniß d. ävll. Edicts zum Civilrecht
Rechtsgelehrten, bei ihrer größeren Hinneigung zum Festhalten
am Positiven und an den Worten der Gesetze, eher gegen als
für eine solche Erweiterung des Edicts waren, während La-
beo und seine Anhänger sie gewiß bereitwillig in ihren Schutz
nahmen, da sie überhaupt ihr Augenmerk mehr auf Grund
und Zweck der Rechtsbestimmungen richteten und dem in ih-
nen liegenden Geiste gern ein Uebergewicht über den bloßen
Buchstaben zu verschaffen suchten. Ein Beispiel einer solchen
Meinungsverschiedenheit haben wir bereits oben 53) in der
L. 6. §. 4. D. de act. eint, nachgewiesen. Daran schließt sich
ergänzend der bekannte, dem Commentar Ulpian's zum ädil.
Edict entlehnte Ausspruch Labeo's in der L. 1. pr. D. de
aed. ed.:
»Labeo scribit, edictum Aedilium Curulium de venditio-
nibus rerum esse, tam earum, quae soli sint, quam quae
mobiles aut se moventes.«
Schon Donell *) bemerkt zu dieser Stelle sehr richtig, daß
die Bestimmungen der Aedilen den Worten nach sich zwar
nur auf den Verkauf von Sclaven und Lastthieren bezogen
hätten, dagegen ihrem Grundgedanken und Geiste nach eben
so sehr auch auf den Verkehr mit anderen Gegenständen paß-
ten. Dieser Sinn liegt denn offenbar auch dem angeführten
Ausspruche Labeo's zu Grunde. Wie würde sich auch sonst
Ulpian erst auf die Auctorität eines Juristen bezogen haben,
hätte es sich bloß um eine Behauptung gehandelt, deren Nich-
tigkeit schon durch die Worte des Edicts selber bestätigt ward57)?
Es scheint in jeder Hinsicht unzweifelhaft, daß die Compilato-
ren, indem sie die ausgehobenen Worte an die Spitze des
»») §. l, Nr. 5.
") Opera priora. Francof. 1589, pag. 186.
57) Donell. 1. c.: — »si de omnibus rebus Aediles cavissent, ita
diceret Ulpianus: hoc edictum de venditionibus omnium rerum
scriptum est; neque ad id probandum, quod per se notum esset,
Labeonis testimonio uteretur.«

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