Full text: Volume (Bd. 3 (1844))

in der Lehre von Gewähr der Mangel an verkauften Sachen. 119
obgleich man die Verantwortlichkeit des nichtdolosen Verkäu-
fers aus diesem in jenes hineintrug, so blieb doch insofern
der Unterschied zwischen der Wissenschaft und der Bekannt-
schaft des Verkäufers mit den Fehlern der Sache von Wich-
tigkeit, als er auf die Condemnationsformel der actio ex emto
einen wesentlichen Einfluß ausübte; und ebenso ging auch
die von den Aedilen eingeführte Nedhibition nicht in das Ci-
vilrecht über. Gegen eine solche Hineintragung der Nedhibi-
tionsklage in das Civilrecht sträubte sich auch außerdem die
Natur des Kaufcontracts, aus dem zwar ein Anspruch des
Käufers auf Schadenersatz, nicht aber auf Auflösung des gan-
zen Geschäfts wegen eines Jrrthums über die Beschaffenheit
der Sache denkbar und möglich ist. Dies Alles wird unten,
wo die Verschiedenheit zwischen den adilitischen und Civilkla-
gen aufzusuchen ist, seine nähere Erläuterung finden.
7. Mit der Maxime der Aedilen, der Verkäufer solle die
Fehler der Sache kennen, folglich sie anzeigen, steht die wei-
tere Vorschrift in genauem Zusammenhang, er sei wegen Er-
füllung der ihm vom Edicte auferlegten Verpflichtungen eine
auf's Doppelte gehende Caution zu leisten verbunden. Wie
man mit jenem ersteren Grundsatz alle Untersuchnng über Wis-
senschaft oder Unkunde des Verkäufers von vornherein abzu-
schneiden bezweckte, so wollte man durch die stipulatio duplae
der, leicht zu Weiterungen führenden, schwankenden Aestima-
tion des Interesse ausweichen *>) und auf diese Weise dem
Käufer, sobald ein versteckter Fehler an der verkauften Sache
hervortrat, schleunigst zur Entschädigung verhelfen. Im Hin-
blick auf diese Nützlichkeit der Cautionsleistung knüpften denn

4#) Eben deshalb hat man auch, wie Neust etel (a. a. O. S. 237 fg.)
gewiß ganz richtig bemerkt, unter dem vom Verkäufer zu gewährenden
duplum nicht das Doppelte des vollen Interesse (des sog. dsmnum
contingens), sondern desjenigen, quod .ipsius rei nomine« inlerest,
also des durch die Mangelhaftigkeit der Sache begründeten Minder»
werthes zu verstehen.

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