Full text: Volume (Bd. 3 (1844))

118 Dr. Keller, über d. Verhältniß d. ädil. Edicts zum Civilrecht
auf die Gewährleistung wegen der von ihm wissentlich ver-
schwiegenen Mängel beschränkte, und erst das Edict denselben
allgemein und unbedingt, d. h. außer dem Falle seiner Be-
kanntschaft mit der Mangelhaftigkeit der Sache, verpflichtete.
Und dies ist denn einer der wesentlichsten Punkte, worin sich
die Verschiedenheit der ädilitischen Grundsätze von dem früher
geltenden Civilrecht offenbart. Zu einer näheren Betrachtung
dieses Unterschiedes liegt schon in der Bedeutung, die derselbe
für die ganze Lehre von der Mängelgewähr, selbst nach ihrer
heutigen Anwendbarkeit, hat, eine genügende Aufforderung.
Auf die eigenthümliche Natur und Beschaffenheit der dem
Verkäufer durch das Edict auferlegten Verpflichtungen in Be-
zug auf Prastation der Fehler ") ist zum Theil schon oben
hingewiesen worden. Die Neuerung der Aedilen bestand haupt-
sächlich darin: der Verkäufer solle die Fehler kennen und
demgemäß sie zur Anzeige bringen. Aus diesem eigen-
thümlichen Principe fließen alle übrigen Vorschriften der Aedi-
len und der Commentatoren des Edicts her. Ursache und
Veranlassung zur Aufstellung jenes obersten Grundsatzes lag
schon in dem Bedürfniß, den Verkehr dadurch zu erleichtern,
daß man dem Käufer, auch wenn er den sehr schwierigen
Beweis der Arglist des Verkäufers nicht führte, seine Entschä-
digungsansprüche sicherte. Dies mochte besonders bei einer
Gattung von Kaufgeschäften noch thun, die meist mit eben
nicht sehr zur Rechtlichkeit geneigten Verkäufern") abgeschlos-
sen wurden, und bei welchen der Käufer schon in dieser Bezie-
hung eine gewisse Begünstigung verdiente. Diese Singulari-
tät des Motivs, von welchem sich die Aedilen leiten ließen,
macht es erklärlich, daß sich im Civilrechte, selbst nach Erlas-
sung des Edicts, keine ähnliche Vorschrift vorfindet. Denn
4<) Denn die Rücksicht auf Gewährleistung der Zusagen (dicla promis-
save) mag hier ausgeschlossen bleiben.
45) Cum venditoribus »ad lucrum vel turpiter faciendum maxime
pronis« (L. 44. §. 1. I). de aed. ed.V

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