Full text: Volume (Bd. 3 (1844))

In der Lehre von Gewähr der Mängel an verlausten Sachen. 109
denn nach der ganzen Tendenz des vorliegenden Fragments
den Sinn, welcher durch die obige Erklärung gewonnen wird,
für vollkommen genügend halten.
Ganz der nämliche Gedanke, nur in einer etwas ge-
naueren Ausführung, findet sich nun auch in den Worten
des Scävola ausgedrückt:
Li. 69. §. 5. D. de evict:-„Sicuti qui fundum
Iradit et cum sciat certam servitutem deberi, perfu-
sorie dixerit: itinera, actus quibus sunt, utique sunt,
recte recipitur, — evictionis quidem nomine se liberat,
sed quia decepit emtorem, emti judicio tenetur.«
Eine dunkle und unbestimmte Aeußerung über die an
der Sache haftenden Realservituten soll einer individuellen Nam-
haftmachung derselben nicht gleich stehen, vielmehr der Verkäufer
trotz derselben für diejenigen Prädialservituten haften müssen,
die er gekannt und nicht speciell angegeben hat, weil ein sol-
ches Benehmen immer einen dolus, wenn auch nur versteckt,
enthält. Zwar kann der Käufer in einem solchen Falle die
actio ex stipulatu 3* *), deren Anstellung ihrer strengen Natur
nach wegen der entgegenstehenden Verabredung unmöglich ist,
nicht zur Hand nehmen; dagegen bleibt ihm zur Verfolgung
denkenden Vorsicht bemerkt, er könne nicht dafür einstehen, daß sich nicht
ganz wider Erwarte» eine Servitut an dem Grundstücke vorsinde,
mochte, wie es nun einmal z» gehen pflegt, gerade durch diese Art de-
Benehmens das Vertrauen des Käufers gewinnen und ihn zum Ab-
schlüsse des Kaufgeschäfts bestimmen.
*4) Sott dieser sind die Worte: »evictioni; quidem nomine se li-
beral« offenbar zu verstehen, wie sich dies ans der Entgegenstellung
des »emti judicium«, als einer bonae fidei actio, ergiebt. Mit
Unrecht werden daher die Endworte unserer Stelle von Mühlen-
bruch (Pandektenlehrb. §. 397, Note 7 a. E-, III. AuSg.) zur Unter-
stützung der Ansicht, daß wegen Prädialservituten die Grundsätze von
Gewähr der Mängel zur Anwendung kämen, herbeigezogen. Ohne
Zweifel muß man: evictioni, nomine in prägnantem Sinne auffaffen,
ganz ähnlich wie in der L. 36. D. de evict., wo diese Worte ebenfalls
auf die actio e, stipulatu zu beziehen sind, was in diesem Falle
deutlich bestätigt wird durch Vergleichung mit der L. 23. §. 1. D. d

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