Full text: Volume (Bd. 19 = N.F Bd. 7 (1881))

Dle delegatio nominis und delegatio debiti ete.

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Diese Legaldesimtion der Delegation, welche sich in dem
ex professo von der Delegation handelnden Pandektentitel —
l. 11 pr. D. de novationibus et delegationibus (46, 2) —
findet, lautet: Delegare est vice sua alium reum dare cre-
ditori, vel cui (i. e. ei, quem) jusserit (scii, delegans)*).
Reus ist hier nicht in der Bedeutung von „Schuldner",
„Beklagter" gebraucht, sondern in seiner allgemeinsten Bedeu-
tung: derjenige, welcher in einem obligatorischen Verhältniß —
sei es als Schuldner, sei es als Glä ubiger — fleht1 2).
1) Thöl a. a. O. S. 1094, welcher eine bestehende Obligation für
die Delegation nicht wesentlich halt, behauptet, daß diese Definition nicht
Stich halte. Derselbe ergänzt aber augenscheinlich — wie gewöhnlich ge-
schieht — zum zweiten Satz: cui jusserit ..creditor“ und findet darum nur
die passive Delegation, delegatio debiti, in dieser Stelle zum Ausdruck ge-
bracht. v. Salpius, welcher ebenfalls nur die Regel für die passive
Delegation in dieser Stelle ausgedrückt findet (a. a. O. S. 384), meint
(a. a. O. S. 47), der Jurist scheine hier ein Schuldverhültniß zwischen
dem Deleganten und dem Delegatar vorauszusetzen, weil er den Delegatar
creditor, den Deleganten reus nenne, letzteres wenigstens implicite, da der
Delegat (aiius reus) an seine Stelle treten solle; bei dieser Auslegung sei
die Definition allerdings zu eng. Ergänze man aber zu dem zweiten Theil
der Stelle cui (non creditori) delegans jusserit promitti, so würden hier-
mit auch diejenigen Fälle getroffen, in welchen der Delegatar nicht Gläu-
biger des Deleganten sei; vice sua alium reum dare sei für diese Fälle
nicht auflösend, sondern präventiv zu verstehen — es komme keine eigene
Obligation des Deleganten zu Stande. Ganz abgesehen von dem außer-
ordentlich Gewagten einer derartigen Ergänzung, kommt v. Salpius
m. E. aber mit dieser Auslegung des zweiten Theils der Stelle in Wider-
spruch mit der für den ersten Theil desselben gegebenen. Während er zu-
erst aus dem „alius“ reus auf ein Obligationsverhältniß schließt, in wel-
chem der Delegant steht, soll im zweiten Theil derselbe Satz: vice sua
alium reum dare eine andere Bedeutung haben, kein bestehendes obligato-
risches Verhältniß anzeigen. — Die von mir gewählte Auslegung dürste
aber jedenfalls das für sich haben, daß man bei ihr überhaupt nichts zu
ergänzen braucht, wenn man „eui jusserit“ dem gewöhnlichen lateinischen
Sprachgebrauch gemäß in ,,ei, quem jusserit“ i. e. dem Angewiesenen, dem
Delegaten, auslöst.
2) I. 1 D. de duobus reis constituendis (45, 2): Qui stipulatur,
XIX. N. F. VII. 6

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