Full text: Volume (Bd. 19 = N.F Bd. 7 (1881))

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Dr. Erich Danz,

Werfen wir nun einen Blick auf das Anwendungs-
gebiet, welches der Delegation in der Praxis des gemeinen
Rechts zusteht, so sehen wir, daß dieses Institut wohl über-
haupt n i e gebraucht wird 13). Dagegen finden sich im römi-
schen Recht nicht nur zwei größere Abschnitte — der eine in den
Digesten, der andere im Codex —, welche beide ex prokesso
von der Delegation handeln, sondern auch bei der Darstellung
von anderen Rechtsinstituten werden Fälle der Delegation sehr
häufig erwähnt. Aus diesem in die Augen fallenden Unter-
schied des Umfanges des Gebiets der Delegation im römischen
und gemeinen Recht wird man schließen müssen, daß sich ent-
weder die ökonomischen Verhältnisse, bei denen die -Delegation
Anwendung gefunden, völlig geändert haben, oder daß das ge-
meinrechtliche Rechtsinstitut der Delegation auf einer falschen
Auslegung der Quellen beruht, und ein Rechtsinftitut daraus
construirt ist, welches mit dem römischen nicht übereinstimmt.
In der That komme ich zu dem letzteren Schluß.
Es wird allgemein gelehrt"), daß eine Delegation entweder
in der Weise stattfinden könne, daß an Stelle des alten Schuld-
ners ein neuer Schuldner eintrete, oder in der Weise, daß an
Stelle des alten Gläubigers ein neuer Gläubiger eintrete,
d. h. ersteren Falls wird die Verpflichtung geändert, letz-
teren Falls die Berechtigung, ersteren Falls findet ein Wech-
sel auf der passiven, letzteren Falls auf der activen Seite
der Obligation statt. Da nun an und für sich, wie aus der

13) Ich glaube mich so ausdrücken zu dürfen, da es mir nicht
gelungen ist, weder in Seuffert's Archiv Bd. I—XXVI, noch in
den Entscheidungen des R.O.H.G.'s Bd. I—XXIV, noch in den Prä-
judiciensammlungen des sächsischen Rechts, welches die Delegation ebenso
wie das gemeine Recht auffaßt, Annalen des Königl. Sachs. Oberappella-
tionsgerichts zu Dresden Bd. I—XXIV einen Fall der Delegation auf-
zufinden.
14) S. Note i.

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