Full text: Volume (Bd. 19 = N.F Bd. 7 (1881))

©fijjen. i Das Zinsma^imum beim Wenns nauticum.

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können, und der Wissenschaft es ermöglicht, einem Satz, den
sie bisher bei seinem vermeintlichen Widerspruch mit dem römi-
scheu Recht lediglich aus die positive Thatsache eines derogiren-
den Gewohnheitsrechts zu stützen genöthigt war, fortan aus dem
römischen Recht selber seine theoretische Begründung zu geben.
1.
Praktische Unmöglichkeit des angeblichen
Rechtssatzes.
Der Betrag für das Seedarlehn, den Iustinian angeblich
festgesetzt haben soll, ist 12 p. c. für das Jahr ^). Nicht, wie
man wohl um dem widersinnigen Resultat auszuweichen, ge-
sagt hat: für die einzelne Seereise, was bei den klaren Worten
Iustinians gar keiner Widerlegung bedarf. Demnach würde der
Gläubiger sich für eine Seereise von einem Monat nur 1 p.c.
vom Capital haben ausbedingen können, ein Minimalsatz, der
im Berhältniß zu den Gefahren, die der Gläubiger möglicher
Weise übernahm, geradezu undenkbar zu nennen ist. Ging
das Schiff auf der Fahrt unter, so verlor er 100, kam es an,
so erhielt er 101, und dies selbst dann, wenn die Chance stand,
wie 1 zu 4, wo er also außer dem üblichen Monatszins für die
Benutzung des Capitals eine Assekuranzprämie von 25°/0 hätte
erhalten müssen, um keinen Schaden zu erleiden, und von
über 25 °/0, um Vorth eil zu haben.
Für ein Landdarlehn konnten Geschäftsleute, die aus dem
Geldverleihen ein Gewerbe machten („qui aliquam licitam

l) Ein seltsames Mißverständniß findet sich in einer neueren Inaugu-
raldissertation: Hermann Kleinschmidt, das Wenns nauticum unb
dessen Bedeutung im römischen Recht. Heidelberg 1878. Der Verfasser
verwechselt (S. 28) den Zinssatz von 12 p.c. für das Jahr (usuras cen-
tesimae) mit dem für den Monat und meint, daß der Gläubiger sich
nach jenem Gesetz 6 p.c. für den halben Monat habe bedingen können.
1*

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