Full text: Volume (Bd. 19 = N.F Bd. 7 (1881))

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Dr. Otto Wendt,

dadurch sein Recht zu schmälern. Nur Buchstabeninterpretation
wird bei dem probiberi piscari oder jus suum exercere je-
nen beschränkten Sinn zu Grunde legen können. Auch Eigen-
thums- und Besitzstörung sind wir ja gewöhnt in doppelter
Weise zu denken, und nicht anders wird hier die Störung zu
denken sein. Die gewöhnliche negatoria in rem actio lautet ja
oft jus ilii non esse eundi agendi, utendi fruendi etc. Gleich
umfassende Tendenz steckt aber auch in dem vim fieri veto
des Interdikts, wovon noch im folgenden Paragraphen ein
Mehreres.
Bei Schirmer (a. a. O. S. 314) ist das Fr. 14 de injur.
47, 10 zwar erwähnt, aber doch in sehr auffälliger Weise be-
nutzt. Nach seiner Meinung ist das Verbietungsrecht des Usu-
fruktuars wider den Grundeigenthümer Ausfluß eines obligato-
rischen Rechtes. Zum Beweise sucht er nach Analogien und
glaubt eine solche in jener Stelle gefunden zu haben. Er sagt:
„In der That erscheint hier das Iagdrecht zwar allgemein als
Folge eines obligatorischen Anspruchs aus einem publice con-
ducere. Ein dingliches Recht ist an dem Meer unmöglich, da-
her auch keine dingliche Klage zum Schutz des Pächters, sondern
ein Interdikt, ein uti possidetis utile. Dennoch ist auch hier
von einem jus fruendi die Rede. Man sieht, wie nahe sich
hier obligatorische und dingliche Verhältnisse vermöge ihrer äuße-
ren Aehnlichkeit treten." Wir unsererseits sehen nicht recht, was
diese Auslassung eigentlich soll. Schirmer wird doch nicht der
Meinung sein, daß der dem Iagdpächter zu Theil werdende
Interdiktenschutz obligatorischer Natur ist. Das Interdikt geht
sicherlich in rem, adversus quemlibet d. h. ist von persönlicher
obligatorischer Beziehung unabhängig, und wenn je etwas un-
geeigneter war, eine obligatorische Unterlassungspflicht des Pro-
prietars gegenüber der Jagd des Fruktuars zu erläutern, so ist
es doch jener Interdiktenschutz, der nur deswegen kein dingliches

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