Full text: Volume (Bd. 19 = N.F Bd. 7 (1881))

Die rechtliche Natur des Geldwechslergeschäfts. 357
zug des Geldwechslergeschästs angesprochen wird? Welches
Interesse soll ihn dazu bestimmen, mir Währungsgeld abzu-
kaufen oder zu verkaufen, da er durch Abschluß des Vertrags
mit allen seinen oben (p. 353) geschilderten Consequenzen nichts
erhalten soll, als eben die Summe, die er bereits vor Ein-
gehung des Geschäfts gehabt hat! Sein einzig denkbarer
Zweck könnte der sein, einen sogenanten Freundschaftskauf, also
ein negotium ckonatione mixtum, einzugehen; dem widerspricht
aber eben, daß er sich den vollen Werth seiner Geldstücke wie-
der erstatten läßt. Für ihn besteht also das ganze Geschäft in
nichts weiter, als in einem Umtausch einer Geldsumme gegen
eine andere Geldsumme, und dies mag allerdings ein „der wis-
senschaftlichen Beachtung unwerther Vorgang" (Knies, Cre-
dit I pag. 12) genannt werden.
Nicht genug aber damit, daß es kaum möglich ist, aufzu-
stnden, welches Interesse denjenigen, der als Geldwechsler an-
gesprochen wird, zum Abschluß gerade eines Kaufvertrags be-
stimmen sollte, so läßt sich darüber hinaus Nachweisen, daß die
Construction als Kauf mit der bei Abschluß des Geschäfts bei-
den Parteien innewohnenden Intention im schroffsten Wider-
spruch steht.
A, der den B bittet, ihm für eine Hundertmarknote baa-
res Geld zu geben, will nicht kaufen und nicht verkaufen, auch
nicht verschenken; er will lediglich 100 Mk. in bestimmter Form
haben und — selbstverständlich — dem, der sie ihm gibt,
keinen Vermögensverlust zufügen. B, der es ihm zusagt, will
umgekehrt ebenfalls die Banknote weder abkaufen, noch eintau-
schen, noch an Zahlungsstatt erhalten; er gibt dem A lediglich
die 100 Mk., weil es ihm ganz einerlei ist, ob er sie in dieser
oder jener Form hat, vorausgesetzt nur, daß sie in seinem Ver-
mögen verbleibt.
XIX. N. % YII.

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