Full text: Volume (Bd. 19 = N.F Bd. 7 (1881))

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Dr. Flesch,

§. 12.
Wie verhält es sich nun aber in der für das gewöhnliche
Leben so wichtigen großen Mehrzahl von Fällen, in denen der
Umsatz von Währung gegen Währung und die ihm gleichar-
tigen sich unter gewöhnlichen Verhältnissen vollzieht und daher
für die umgewechselte Münze (Reichsbanknote, Reichskassen-
scheine rc.) nicht mehr gegeben wird, als die durch das Münz-
system angegebene Zahl anderer Münzen größeren oder geringe-
ren Gehalts?
Die Conftruction als Tausch halten wir auch hier nur ganz
ausnahmsweise für zulässig. Was aber die als Kauf angeht,
so läßt sich freilich nicht leugnen, daß sie vom juristischen Stand-
punkt aus vollkommen möglich ist. Denn die bloße Thatsache
der äußerlich erkennbaren Werthidentität zwischen pretium und
merx läuft dem Wesen des Kaufs an sich durchaus nicht zu-
wider, das beiderseitige Interesse der Parteien am Zustande-
kommen des Vertrags, das wir für den Kauf als regelmäßiges
Kennzeichen forderten, braucht nicht gerade in dem Wunsch auf-
zugehen, durch den An- oder Verkauf einen Gewinn zu machen.
Dennoch müssen wir Bedenken tragen, in einem solchen
Geldwechslergeschäft anders als unter ganz ausnahmsweisen
Verhältnissen einen Kauf zu sehen. Das eben angeführte Ar-
gument ist allerdings bei Sachkauf zweifellos; und wir haben
auch gesehen, daß bei Geldwechsel der eine Theil — der gewech-
selt haben will — ein möglicherweise sehr greifbares Interesse
am Zustandekommen des Geschäfts hat.
Wie verhält es sich aber, sowie wir uns auf den Stand-
punkt dessen stellen, der keinen Bedarf nach irgend welcher be-
stimmten Münzsorte hat und von einem Anderen um Voll-

häufig am Wochenschluß die eingenommene Scheidemünze zu etwas erhöh-
tem Preis.

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