Full text: Volume (Bd. 19 = N.F Bd. 7 (1881))

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vr. Flesch,

es sich darum handelt, einer Willenseinigung der Parteien durch
Anlehnung an ein Rechtsinftitut juristische Basis und Halt zu
verschaffen, demjenigen den Vorzug geben, welches dem prä-
sumtiven vernünftigen Willen der Parteien am Besten ent-
spricht , das heißt, welches ihre Absichten am Sichersten fördert
und ihnen zugleich möglichst wenige, von ihnen nicht ausdrücklich
gewollte Verpflichtungen auferlegt'). Eine von diesem Stand-
punkt aus angestellte Prüfung unserer Frage wird zwar keines-
wegs eine absolut zuverlässige, für alle Fälle zutreffende Ant-
wort ergeben, aber sie wird immerhin zu einem Resultat füh-
ren , das, weil auf die Natur des Rechtsgeschäfts und die An-
nahme vernunftgemäßen Handels der Parteien sich stützend, in
der Mehrzahl der Fälle mit dem richtig verstandenen Willen der
Parteien zusammen trifft.
2n diesem Sinn haben wir bereits (§. 7 pag. 332)
einige Sätze zu formuliren unternommen über die Fälle, in
welchen die Parteien das Geldwechslergeschäft vermuthlich als
Tausch abschließen werden. Wenn wir jetzt versuchen, ob
sich nicht ähnliche für den Kauf gewinnen lassen, so haben wir
hierbei die beste Gelegenheit, zu prüfen, ob die Construktion
des Geldwechslergeschäfts als Kauf oder Tausch wirklich in allen
Fällen die einzig zulässige ist, beziehungsweise ob die Resultate,
zu denen sie führt, mit dem Willen der Parteien im Einklang
stehen.
Bei Tausch ist das Interesse der beiden Parteien ein iden-
tisches ; jede will die Sache der anderen haben; bei Kauf steht
es in sofern anders, als die Interessen der Parteien durchaus
verschiedene sind. Gemeinsam ist aber beiden Verträgen jeden-
i) Im Uebrigen vergleiche über die Frage, ob „beim Rechtsgeschäft der
auf die Rechtsfolgen gerichtete Wille (der Parteien) maßgebend sei": Köh-
ler, das Autorrecht (in diesem Jahrbuch xviii 2 p. 134 ff.; namentlich
auch p. 155, 160 ff.).

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