Full text: Volume (Bd. 19 = N.F Bd. 7 (1881))

Die rechtliche Natur des Geldwechslergeschäfts.

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Nicht dieselbe Quantität an Münzen, sondern dieselbe Quanti-
tät an Geldwerth befindet sich in odliZatione et solutione1).
Wo nach dem Willen der Parteien als Object der Leistung
nicht lediglich die betreffende Geldsumme, sondern eine bestimmte
Anzahl einer bestimmten Gattung Münzen gelten soll, liegt keine
reine Geldschuld mehr vor, sondern eine Obligation, die nicht we-
sentlich von der auf ein gewöhnliches Sachgut verschieden ist2).
Sollte man daher die für die Gebundenheit der Contra-
henten beim Kauf ausschlaggebende Verschiedenheit der Geld-
schuld und Sachschuld durch ein bequemes Schlagwort bezeich-
nen , so könnte man vielleicht sagen: das characteriftische Kenn-
zeichen der Sachschuld liegt in ihrer relativen Unverän-
derlichkeit, das der Geldschuld in ihrer absoluten Ver-
änderlichkeit.
Wenden wir nun das Gesagte aus das Geldwechslerge-
schäft, das Kauf ist, an.
Wir können bei demselben die Sachschuld und Geldschuld
nicht direct unterscheiden, weil eben auf beiden Seiten des Um-
tauschs „Geld" steht; aber wir können sie an der Hand des
soeben aufgestellten Princips mit Leichtigkeit trennen.
Verkäufer ist bei einem als Kauf vollzogenen Geld-
wechslergeschäft derjenige, dessen Leistung den Charac-
ter der relativen (das heißt nur in Gemäßheit der Ver-
tragsbestimmungen und des guten Willens des anderen Theils
modificirbaren) Unveränderlichkeit hat; Käufer umge-
kehrt der, dessen Leistung eine Geldschuld im eigentli-
chen Sinne und als solche absolut veränderlich ist.
1) So Voigtel, Geld und Geldpapiere. Ztschr. f. Gesetzgebung in
Preußen l p. 445. Vergleiche auch Urtheil des Reichsoberhandelsgerichts
vom 7. Februar 1871 Entscheidungen l. No. 80; insbes. p. 283; ferner
§. 336 des Handelsgesetzbuchs.
2) Vergleiche insbesondere Arndts, Pandekten §. 205.

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