Full text: Volume (Bd. 19 = N.F Bd. 7 (1881))

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vr. Flesch,

Einzelne Schriftsteller erklären einfach, die gesuchte Münze
sei die Waare und was man dafür zahle, der Preis *).
Diese Erklärung hat freilich den Vorzug der Einfachheit,
aber sie ist doch sehr äußerlich und widerspricht in vielen Fällen
direct der Verkehrsauffassung. Der Fremde, der sich bei uns
deutsches Geld für ausländisches Papier umwechselt, weiß sehr
wohl, daß er das letztere nicht zahlt, sondern verkauft; wenn
er damit etwas zahlen könnte, hätte er überhaupt nicht nöthig.
sich erst deutsches Geld zu verschaffen.
Andere verzichten daraus, eine principielle Lösung zu ge-
ben, so G o l d s ch m i d t pag. 1104, der erklärt, bei Geldkauf
erscheine die eine Geldart als Waare, die andere, m e i st die
Währung, als Preis und Werthmaß zugleich, ohne aber die
hiernach möglichen Ausnahmen näher zu bestimmen.
Wieder Andere beschäftigen sich mit der Frage überhaupt
nicht1 2 3) und Th ö l 2) hält sogar eine Beantwortung überhaupt
für unthunlich und meint, „wessen Geld bei Geldwechsel als
Preis und wessen Geld als Waare gewollt sei, sei lediglich
Thatfrage"!
Wir möchten ihm jedoch in dieser Beziehung nicht folgen.
Der Gegensatz zwischen Käufer und Verkäufer ist kein rein
äußerlicher und zufälliger; er ist vielmehr mit der juristischen
Struktur des Kaufs auf's Innigste verknüpft. Ein Versuch, die
Frage, wer beim Geldkauf Empfänger und wer Verkäufer sei,
zu lösen, erscheint hiernach als durchaus möglich und er hat um
so mehr Aussicht auf Erfolg, je ausschließlicher er sich auf die

1) So Göschen §. 491, Sintenis tz. 115 und bereits früher S al-
ma sind, de usuris cap. xvii pag. 494 der Elzevir - Ausgabe von 1638.
2) Holzschuher HI 8. 280 i. f. (Frage 30). Dernburg, Preu-
ßisches Privatrecht II 8-157. Keller, Pandekten.
3) Th öl, Handelsrecht 8. 210 (I 2. pag. 35. 5. Auflage).

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