Full text: Volume (Bd. 19 = N.F Bd. 7 (1881))

Die rechtliche Natur des Geldwechslergeschäfts. ZI?
eine kurze Erörterung der Vorfrage: Was bedeutet „Geld im
Rechts sinn"? Versuchen wir zunächst uns hierüber Rechen-
schaft zu geben.
Das Geld ist eine Einrichtung des wirthschastlichen Lebens,
hervorgegangen aus dem wirthschastlichen Bedürfnisse nach
Erleichterung des Tauschverkehrs *).
Die Untersuchungen über sein Entstehen, sein Wesen, seine
Nutzwirkungen rc. gehören also nicht dem Recht, sondern der
Nationalökonomie an und sind daher hier bei Seite zu lassen.
Wir bemerken nur, daß vom nationalökonomischen Stand-
punkt aus — nach Roscher — Geld eine solche Waare heißt,
die wegen ihrer allgemeinen Beliebtheit zur Vermittelung der
Tauschoperation und zur Messung der Tauschwaare angewandt
wird 2).
Bei uns sungiren als diese Waare bekanntlich die Edel-
metalle, die ihren Gelddienst im Verkehr in Form der Münze
leisten, — das heißt als vom Staat bezüglich ihres Feinge-
haltes beglaubigte Barren 3).
Jedoch ist die Existenz des Geldes in keiner Weise vom
Vorhandensein solcher staatlich beglaubigter Münzen abhängig,
wie denn die Einführung und der Gebrauch des Geldes nicht
aus gesetzliche Vorschriften zurückzuführen ift4).
1) Vgl. Roscher tz. 116. Jevons, Geld und Geld verkehr Cap. I ff.
2) Diese aus Roscher, Nationalökonomie §. 116 entlehnte Erklärung
oder Beschreibung ist allerdings keine Definition im strengen Sinn, — keine
sormulirte Darlegung des inneren Wesens des zu untersuchenden Begriffs.
Sie genügt indeß für diese juristische Abhandlung um so eher, als wir den
Begriff des Geldes unserem Thema nach nicht zu untersuchen haben, son-
dern als bekannt voraussetzen dürfen. Inzwischen hat übrigens Knies,
der früher (Tübinger Zeitschrift 1858) den Begriff in ganz ähnlicher Weise
umschrieb, in seinem Buch über das Geld wenigstens alle Elemente einer
solchen Definition im strengen Sinn gegeben. Bergl. unten §. 5 N. 2.
3) Goldschmidt, Handelsrecht §. 103 p. lioi.
4) Bergt. Knies p 107, dem sich entschieden anschließt B e chm an n,
der Kauf pag. 86.

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