Full text: Volume (Bd. 19 = N.F Bd. 7 (1881))

Parteiabsicht und Rechtserfolg.

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Es sei aber zum Schluffe noch hervorgehoben, in welch
innigem Zusammenhang die hier behandelte Frage zu einer
andern die heutige juristische Literatur beherrschenden Grund-
srage fteht: der nach dem Wesen des subjectiven Rechts. Es
ist Ihering's großes Verdienst, in seinem Geist des römischen
Rechts die Bedeutung des substantiellen oder Zweckmoments
im subjectiven Recht zuerst unter den positiven Juristen zur ge-
bührenden Anerkennung gebracht, energisch hervorgehoben zu
haben, daß die subjectiven Rechte nicht bloße Tummelplätze für
den Parteiwillen, sondern bestimmt sind, praktischen Zwecken
zu dienen, Nutzen, Vortheil, Gewinn zu gewährleisten. Die
von mir vertheidigte Lehre ist im Grund nur die Consequenz
der Ihering'schen Ideen. Liegt das Wesen des subjectiven
Rechts in seiner Zweckbestimmung, beruht die Existenz der sub-
jectiven Privatrechte insbesondere daraus, daß die gesicherte Er-
reichbarkeit gewisser Privatzwecke durch das allgemeine Interesse
gefordert ist, so ist es nur natürlich, daß für Entstehung, Unter-
gang, Veränderung der Privatrechte Alles ankommt auf das
Verhältniß des Parteiwillens zu diesen von der Rechtsordnung
gebilligten Zwecken. Es heißt, meine ich, das Wirken der
Rechtsordnung nicht bloß richtiger, sondern auch würdiger be-
greifen. wenn man ihr Eingreifen nicht darauf zurücksührt, daß
die Parteien dies Eingreifen wollen, sondern darauf, daß die
Zwecke der Parteien mit denen der Rechtsordnung überein-
stimmen.

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