Full text: Volume (Bd. 19 = N.F Bd. 7 (1881))

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Dr. O. Lenel,

in den Quellen als pro lloroäo gorere bezeichnet finden, —
Verkauf, Vermiethung, Benutzung, Ausbesserung u. s. w. von
Erbschaftssachen — sind rein wirthschastlicher Natur und
wie fich in der Occupation einer herrenlosen Sache nur der Wille,
die Sache für sich zu haben, nicht der, ihr Eigenthümer zu
werden, ausspricht, so beweisen auch jene Acte nur den Willen,
das wirthschaftliche, nicht den, das juristische Subject des Erb-
vermögens zu sein122), nicht den Willen, darüber für sich ver-
fügen zu dürfen, sondern einfach den, darüber für sich zu ver-
fügen. Wie wenig gar an die Absicht, die Verbindlichkeiten
des Erblassers zu übernehmen, bei der pro herede gestio zu
denken ist, das möge statt theoretischer Erörterung ein mir be-
kannt gewordener praktischer Fall beweisen. Ein Bankrotteur
war unter Zurücklassung seiner Kinder nach Amerika entflohen
und dort ohne bekanntes Vermögen verstorben. Im Eoncurs
desselben war aber eine kleine Forderung desselben übersehen und
deshalb nicht eingezogen worden, die auf einem Grundstück in
einem entfernten Dorfe hypothekarisch eingetragen war. Erst
nach langen Jahren wurde diese Forderung gelegentlich der Ver-
steigerung dieses Grundstücks entdeckt, und der Versteigerungs-

Stellen von Köhler (a. a. O. XVIII. S. 138fg.) in dieser Richtung be-
nutzt. Die Unmöglichkeit jener Auslegung scheint mir aber aus fr. 54 pr.
de A. R. D. zur Evidenz hervorzugehen: der b. f. serviens muß seine
condicio gekannt haben, wenn er durch seinen Antritt Erbe werden soll.
Darauf deutet auch in fr. 60 eit das non quod alioquin vellet obligari.
121) Gelegentlich sei hier daraus aufmerksam gemacht, daß auch das
hereditatem adire, Erbschaft antreten ursprünglich sehr wahrscheinlich
mehr als eine bloße Erklärung bezeichnet. „Unser heutiges Antreten ist
wohl ursprünglich mehr gemeint von liegender Habe" (Grimm, Rechts-
alterthümer, l. Aust. S. 479).
122) Auch jenen Willen natürlich nur unter der Voraussetzung, daß
sich nicht eine beschränktere Absicht (custodiae causa, pietatis causa, Absicht
der Entwendung) Nachweisen läßt. Der Text steht daher nicht im Wider-
spruch mit fr. 20 pr. §. 1. fr. 21 de A. v. O. H.

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