Full text: Volume (Bd. 19 = N.F Bd. 7 (1881))

Skizzen. I. Das Zinsmaximum beim kosous oautieum. 21

vollkommen gerechtfertigt. Die Landzinsen beim Seedarlehn
standen mit letzterem nur in äußerlicher Verbindung, juristisch
hatten sie mit demselben nichts zu schaffen, und Iustinian han-
delte daher systematisch vollkommen correct, wenn er die Be-
stimmung über sie dem obigen Gesetz einverleibte, und in den
Titel de usuris stellte, statt daraus ein besonderes Gesetz zu
machen und es in den Titel de koenore nautico zu stellen.
Spricht doch auch Papinian in 1. 4 pr. eit. von einer „tra-
jectitia pecunia sine periculo creditoris accepta“.
Es könnte vielleicht Jemand auf die Idee verfallen, für
die obige Idee noch ein anderes Argument geltend zu machen,
das sich auf dem Wege einer bloßen Wortinterpretation den
Worten: „usque ad centesimam tantummodo licere stipu-
lari“ entnehmen ließe. Die Seezinsen bedurften, wie oben
bemerkt, nicht der Stipulation, der formlose Vertrag reichte
aus. Folglich, könnte man sagen, satten dieselben gar nicht
unter das Gesetz, welches nur das Stipuliren verbietet.
Allein Iustinian selber hat diesem kümmerlichen Argument den
Weg verlegt, indem er einige Zeilen später bemerkt: „eam
quantitatem usurarum etiam in aliis omnibus casibus nullo
modo ampliari, in quibus citra stipulationem exigi
usurae solent.“ Allerdings ist dieser Zusatz nicht direct auf
das Seedarlehn gemünzt, aber er würde genügen, um eine der-
artige ungesunde Wortinterpretation, wie nur der Jurist in der
Klemme sie sich erlaubt, auch bei letzterem auszuschließen.
Auch mit dem Gegengrunde gegen meine Ansicht, den
man den Worten: „licet veteribus legibus boc erat conces-
sum“ entnehmen könnte, sieht es nicht minder schwach aus.
Man könnte sagen: Iustinian zielt mittelst derselben aus die
frühere Unbeschränktheit der Seezinsen, folglich ist sie es, welche
er auszuheben gedenkt. Der Schluß ist ein übereilter. Denn
wenn es richtig ist, was wir angenommen haben, daß Justi-

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