Full text: Volume (Bd. 19 = N.F Bd. 7 (1881))

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R. von Jhering,

Codex (IV, 32 u. 33) gleichwie in den Pandekten (XXII, 1: de
usuris XXII, 2: de foenore nautico) beide Arten von Zinsen
in zwei besondern Titeln behandelten, schlossen sie sich damit nur
der hergebrachten Auffassung der römischen Juristen an, der
zufolge die Seezinsen nicht Zinsen im gewöhnlichen Sinn, d. h.
ein Aequivalent sür die Benutzung des Capitals, sondern
eine Assecuranzprämie für übernommene Gefahr (periculi pre-
tium 1. 5 pr. h. t.) waren. Usurae waren die Seezinsen nur
dem Namen nach, sie theilten mit ihnen nichts als das einzige
Moment, daß sie gleich ihnen als Quote des Capitals berechnet,
in Proeenten ausgedrückt wurden, im übrigen hatten sie mit
ihnen gar nichts gemein, und in richtiger Erkenntniß dieser völ-
lig heterogenen Natur beider hatte die Praxis sür die Seezinsen
selbst von der für Geldzinsen erforderlichen Form der Stipula-
tion Umgang genommen. Das bloße „dare, ut salva nave
sortem cum. sortis usuris recipiam (1. 7 h. t.) reichte bei
ihnen sowie bei dem analogen Berhältniß des s. g. foenus quasi
nauticum zur Begründung der Zinsverbindlichkeit aus (1. 5
§. 1 ibid.). Das Seedarlehn im technischen Sinn (sür die
Dauer der Seefahrt) war ein eigenes selbständiges Geschäft, bei
dem, wenn auch der Name: usurae maritimae, so doch der
Begriff der usurae weder in Bezug auf die Form (Stipu-
lation) , noch in Bezug auf die S a ch e (Zinsbeschränkung) An-
wendung fand. Dagegen waren die Landzinsen beim Seedar-
lehn gewöhnliche Zinsen: usurae communes, für die alle
Regeln der letzteren galten, sowohl in Bezug auf die Form als
auf die gesetzlichen Beschränkungen. In den Pandekten wird
die Geltung der letzteren im Titel de foenore nautico ein-
geschärst (1.4, 8, 9). Daß Iustinian, indem er ein ganz gene-
relles Gesetz über die usurae communes erließ, darin auch die
Bestimmung über die Landzinsen beim Seedarlehn aufnahm
und das Gesetz in den Titel de usuris stellte, war systematisch

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