Full text: Volume (Bd. 19 = N.F Bd. 7 (1881))

Parteiabsicht und Rechtserfolg.

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Möglich ist aber auch, wie ich sogleich Nachweisen werde, daß
der Gläubiger als sein Dispositionsobject überhaupt nicht seinen
Anspruch, sondern vielmehr den geschuldeten Gegenstand selbst
ansah, eine Ausfassung, bei der die ökonomische Bedeutung der
Forderung gegenüber ihrer rechtlichen und sittlichen in den Vor-
grund rückt. Aus welchem von beiden Gesichtspunkten heraus
der Gläubiger seine Disposition getroffen hat, das ist Ausle-
gungsfrage. Eben darum aber muß festgestellt werden, welche
der beiden Auffassungen bei jedem einzelnen Rechtsgeschäft die
im Leben vorherrschende, welche derselben also bei Ausgestaltung
der Rechtsfolgen der Disposition i. Zw. zu Grunde zu legen ist:
denn es gibt Rechtsfragen, für deren Entscheidung der Unter-
schied bedeutsam ist. Meines Erachtens nun ist es bei den mei-
sten Geschäften die zweite Auffassung, die den Vorzug verdient.
Der ökonomische Werth eines Forderungsrechts liegt, was
ja keines Beweises bedürfen wird, darin, daß es uns durch die
Haftung des Schuldners hindurch ein Gut (Sachen, Dienste
u. s. w.) zur Verfügung stellt, es wirthschaftlich betrachtet unser
macht. Dieser wirtschaftliche Gesichtspunkt beherrscht im Ver-
kehrsleben die Auffassung der Forderungen durchaus: das ge-
schuldete Gut ist unser und der Unterschied zwischen Obligation
und dinglichem Recht wird nur als ein Unterschied in der Art
des Unserseins empfunden. Den Gegenstand guter außenste-
hender Forderungen rechnet man daher ohne Weiteres zum eige-
nen Vermögend»)-, wir „haben 1000M.", wenn wir sie zu
fordern haben, wir „haben ein Haus", sobald es gekauft ist,
93) 6t'. fr. 49 de V. 8.: bonis adnumerabitur etiam si quid est
in actionibus petitionibus persecutionibus, fr. 143 eod.: habetur enim
quod peti potest, fr. 15 de E. J. is qui actionem habet ad rem reci-
perandam , ipsam rem habere videtur. Das englische Recht Unterscheidet
bei beweglichen Sachen geradezu zwischen property in possession und in
aotion, unter welch letzterm auch das bloß obligatorische Recht begriffen ist.
B lackst o n e , II eh. 25.

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