Full text: Volume (Bd. 19 = N.F Bd. 7 (1881))

Parteiabsicht und Rechtserfolg.

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zu verpflichten, sondern nur einfach das Vertrauen, dieselbe
zu erhalten. Ganz ebenso verhält es sich mit den zahllosen an-
deren Miethverträgen, die wir alltäglich abschließen; ich frage
jeden, ob er, wenn er ein Eisenbahnbillet entnimmt, einen an-
dern Willen hat, als den befördert werden zu wollen, ob er,
wenn er sich seine Uhr oder seinen Rock repariren läßt, etwas
anderes will, als daß eben die Reparatur vorgenommen werden
solle, ob er hiebei ein im Geringsten juristisch gefärbtes Bewußt-
sein hat. Alle diese Verträge könnten genau in derselben Weise
auch Vorkommen, ohne daß es eine actio locati und conducti
gäbe, rein vom gegenseitigen Vertrauen getragen. So gut die
Hausfrau das Mahl richtet, in dem Vertrauen daraus, daß die
Gäste, die ihre Einladung angenommen haben, auch wirklich
kommen werden, so gut könnte z. B. auch der Kaufmann sein
Briefporto zahlen, im Vertrauen, daß der Staat sein gegebenes
Wort, frankirte Briefe an ihre Adresse zu befördern, nicht bre-
chen werde, und das Dienstmädchen ohne Rechtsschutz seine
Dienste leisten, in der Ueberzeugung, daß der versprochene Lohn
nicht ausbleiben werde.
Diese Auffassung der Miethe führt allerdings eine Schwie-
rigkeit mit sich, der die herrschende Lehre entgeht: die, zwischen
Sachmiethe und Kauf des Gebrauchs die Grenze zu ziehen. Es
ist dies aber eine Schwierigkeit, die, wie die römischen Contro-
versen über die Natur von Superficies und Emphyteusis be-
weisen, in der Sache selbst liegt. Der Unterschied zwischen den
beiden Verträgen ist: daß beim Kauf des Gebrauchs das uti
Heere als selbständiges Gut gedacht ist, bei der Miethe nicht.
Man verkauft den ususfructus, usus u. s. w., aber man ver-
miethet nicht das uti krui, uti, sondern den Acker, das Haus,
das Landgut selbst. Der Vermiether will nach dem Gedanken
der Parteien nichts veräußern, sondern nur sein Gut zeitweilig
an den Miether überlassen; daher ist es auch nur natürlich, daß

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