Full text: Volume (Bd. 19 = N.F Bd. 7 (1881))

Parteiabsicht und Rechtserfolg.

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daß der Erklärende bei dem erklärten Willen bleiben, der Dis-
position entsprechend handeln, das Versprechen erfüllen werde.
Die Obligation ist der Schutz dieses absichtlich erregten Ver-
trauens. Ob aber die Rechtsordnung das auf die Willens-
erklärung sich stützende Vertrauen für schutzwürdig erklärt, das
hängt nimmermehr von dem Willen der Parteien ab, sondern
von dem Inhalt der Erklärung, sodann von ihrer causa, oder
aber ihrer Form. Denn auf diesen Momenten ruht die Be-
deutung einer jeden Erklärungsart für den menschlichen Verkehr;
die Interessen des Verkehrs aber sind es, welche für das Ver-
halten der Rechtsordnung der Parteierklärung gegenüber maß-
gebend sind 6 2). Danach kann die Frage, unter welchen Vor-
aussetzungen ein Vertrag klagbar sei, nicht durch die allgemeine
Phrase von der bindenden Kraft der Verträge, überhaupt nicht
durch philosophische Untersuchung, sondern nur durch historische
Forschung erledigt werden. Diese Auffassung und nur sie al-
lein kann es erklären, daß Verträge, die nach der herrschenden
Lehre auf Hervorbringung juristischer Wirkungen gerichtet sind,
im Leben existirt haben, lange ehe sie mit juristischer Wirkung
ausgestattet waren. —
Im Folgenden sollen zunächst die Real-, sodann die wich-
tigeren Eonsensualcontracte auf das Wesentliche der geschäftlichen
Absicht untersucht werden.

VI.
Das Element, welches aus den Realcontracten die obli-
gatio directa entstehen läßt, ist die Beschränktheit des Hingabe-

62) Man vergleiche beispielsweise die Erwägungen, womit Ulpian
in t>. 3 §. l de receptis (4. 8) den prätorischen Zwang gegen denjenigen
rechtfertigt, der ein Schiedsrichteramt übernommen hat: es sind durchaus
praktische Gründe, vom animus se obligandi des Schiedsrichters ist mit
keinem Wort die Rede.

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