Full text: Volume (Bd. 19 = N.F Bd. 7 (1881))

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Dr. O. Lenel,

Erklärung wie die der Zusage nachfolgende: wenn B den A
bittet, ihm morgen ein Darlehen zu geben, so ist das zweisels-
ohne eine Bitte um das Geben selbst, nicht um das Versprechen
zu geben, und die nachfolgende Zusage des A kann daran
natürlich nichts ändern. Und nur von diesem Standpunkte
aus begreifen wir auch die psychologische und solgeweise die
rechtliche Bedeutung der Annahme: sie hat den Zweck, den
Versprechenden zu unterrichten, daß es dem Versprechensempfän-
ger um die Erfüllung des Versprechens zu thun, daß chm daran
gelegen sei, das Versprochene zu erhalten, eine Kenntniß, die der
elftere haben muß, wenn ihm billiger Weise soll zugemuthet
werden können, zu seinem Versprechen zu stehen: ich muß in
der Regel wissen, daß der Andere auf mich-vertraut, wenn
ich verpflichtet sein soll, sein Vertrauen zu rechtfertigen.
Hiernach ist auch den obligatorischen Willenserklärungen
gegenüber die Rolle des Rechts lediglich die, daß es den Par-
teien in ihren Zwecken fördernd und unterstützend zur Seite
tritt. Der Schuldner hat erklärt: ich will gebunden sein; das
Recht fügt hinzu: Du sollst auch durch mich gebunden sein.
Der Gläubiger hat erklärt: ich will das Versprochene von dem
Schuldner haben; das Recht gewährt ihm in dem Forderungs-
recht Macht sich dasselbe zu verschaffen.
Ist das Gesagte richtig — und ich gedenke es sofort durch
die Specialuntersuchung der einzelnen Verträge näher zu erwei-
sen —, so wird freilich eine Frage, deren Lösung die herrschende
Lehre sich leicht macht, zu einer recht schwierigen, die Frage:
was unterscheidet die obligatorischen Versprechungen von den
nicht obligatorischen, wenn es der Wille rechtlich zu obligiren
und sich zu obligiren nicht ist? Die Antwort dürfte da liegen,
wo sie Hofmann in seiner Schrift über die Entstehungsgründe
der Obligationen gefunden hat. Jedes Versprechen erfolgt in
der Absicht bei dem Adressaten Vertrauen daraus zu erwecken.

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