Full text: Volume (Bd. 19 = N.F Bd. 7 (1881))

194

Dr. O. Lenel,

Grundstücks erfolgen muß, damit eines unserer beiden Rechte
zur Entstehung gelange? Ich dächte, einfach die, den Vertrag
auszuführen, auf Grund dessen die Tradition erfolgt. Wenn eine
Partei ein Gebäude als solches oder einen Keller gekauft hat.
so geschieht die Tradition so sicher animo rei transferendae,
als sie geschehen würde, wenn das Recht ein selbständiges
Eigenthum am Gebäude oder Keller zuließe. Was verschlägt
es für die Absicht der Parteien, unter welchem Namen das Recht
dem Käufer seinen Schutz gewährt! Der Käufer will das Gut
(das Gebäude, den Keller) für üch haben; giebt es ihm der
Verkäufer, so ist es Sache des Juristen, die juristische Kate-
gorie zu bestimmen, unter der das Derhältniß untergebracht
werden kann. Und ebenso, wenn Jemand einen Bauplatz auf
hundert Jahre gemiethet oder ein Grundstück in Erbpacht ge-
nommen hat, so tradirt ihm der Vermiether oder Verpachter
lediglich in der Absicht, in der jeder locator tradirt, eo animo,
ut conductori e lege locationis uti frui liceat, und wenn hier
die Römer aus der Tradition auf Grund bloßer locatio con-
ductio ein dingliches Recht hervorgehen lassen, so ist das nichts
als eine Anerkennung der Thatsache, daß unter Umständen auch
die mit einer bloßen Miethe verfolgten wirthschaftlichen Zwecke
derart sein können, daß ihnen mit dem bloßen obligatorischen
uti frui licere praestare des Vermiethers kein genügender Schutz
gewährt ist b s). Nicht auf den Parteiwillen, sondern auf rein
praktische Rücksichten (die sich bei den agri vectigales in gleicher
Weise geltend gemacht haben werden) führt Ulpian in kr. 1 §. 1
de superfic. die Einführung des Interdiets und der actio in
rem de superficie zurück (vgl. die n. 54 eitirte Ausführung),
und, wenn heute unsere Gesetzgebung bestimmen würde, aus
59) Degenkolb, Platzrecht und Miethe S. it: die Superficies ist
nichts als ein vom Prätor mit dinglichem Schutz versehener Miethvertrag.
Vgl- auch das. S. 3i, 48.

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.

powered by Goobi viewer