Full text: Volume (Bd. 19 = N.F Bd. 7 (1881))

Parteiabsicht und Rechtserfolg.

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deren Lösung ihm in der Parteierklärung vorgearbeitet sein
kann, aber nicht vorgearbeitet zu sein braucht, daß also das
Bewußtsein der Rechtsfolge auf Seiten der Partei keine Giltig-
keitsbedingung des Rechtsgeschäftes ist. Und, wenn wir, wie
ich glaube, durch die Analogie der Grundsätze vom Sachkauf
gezwungen sind, die Haftung auch des Servitutenverkäusers aus
die Genuß Verschaffung zu beschränken^), so liegt darin die
directe Bestätigung jener Auffassung.
Die Aufhebung von Servituten durch Verzicht kann
natürlich keine Willensrichtung anderer Natur fordern, als deren
Begründung sie fordert. Ging hier die Absicht auf Hingabe,
so geht sie dort auf Aufgabe des Gutes. So heißt es in kr. 8
pr. quernadrn. servit. (8, 6):
8i per tuum fundum via mihi debeatur et permisero
tibi, in eo loco, per quem via mihi debetur, aliquid
facere, amitto ius viae.
Eine Erlaubniß, wie die hier erwähnte, wird sicher in den weit-
aus meisten Fällen ohne das Bewußtsein, daß man auf ein
Recht verzichte, ertheilt. Das Recht kommt nur in Betracht als
die Veranlassung, welche die Ertheilung der Erlaubniß nöthig
macht. Der Gedankengang in der Seele des Erlaubenden ist:
da ich ein Wegerecht habe, kann der Eigenthümer ohne meine
Erlaubniß mir den Weg nicht verbauen; nun ist mir aber aus
dem oder jenem Grunde am Weg nichts mehr gelegen; folglich
mag er bauen. Man sieht: bewußt aufgegeben wird nur das
Gut, der Weg. Das Haben des Rechts wäre mit der Existenz
des Baues sogar ganz wohl verträglich, nicht so das Haben
des Gutes.

52) Directe Zeugnisse dafür gibt es meines Wissens nicht — fr. 80
§. 1 de C. E. (18, i) beweist so wenig dafür, wie fr. 10. 46 §. 1 de evict.
(21, 2) dagegen.

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