Full text: Volume (Bd. 19 = N.F Bd. 7 (1881))

Parteiabsicht und Rechtserfolg.

173

3.
Mancher wird sich vielleicht durch die obigen Ausführungen
überzeugen lassen und nun doch bedenklich werden, wenn die
gleiche Auffassung auch für die Tradition durchgeführt wer-
den soll. Und gleichwohl liegt hier die Sache nicht wesentlich
anders als bei Occupation und Dereliction. Eigenthum sage
ich, geht dann über, wenn auf Seiten des tradirenden Eigen-
thümers der animus rei transferendae, d. h. die Absicht, seiner-
seits der Sache als Gut zu entsagen und sie dem andern zu über-
lassen^^), auf Seiten des Empfängers der animus rem sibi
habendi vorliegt33).
Ich wiederhole zunächst : diese Willensrichtung ist nicht bei
jeder Tradition des juristischen Besitzes vorhanden. Sie fehlt
bei der Tradition zu s.g. abgeleitetem Besitz; sie fehlt aber auch
dann, wenn der Besitz bloß um seiner selbst, d. h. bloß um der
Besitzvortheile willen tradirt wird, z. B. wenn Jemand dem Be-
sitzer den Besitz abgekauft hat, in der Absicht, sich den Proceß
zu sparen oder in dem Proceß die vortheilhafte Beklagtenrolle
zu haben 34). Wie hier der Verkäufer nicht rem haberelieere
zu prästiren verpflichtet ist, so Hat er auch nicht die Absicht
rem zu übertragen.
Wunderbar genug nun, wenn der animus dominii
transferendi Voraussetzung der Wirksamkeit der Tradition wäre.
Das Wesen des Eigenthums besteht darin, daß nach dem Wil-
32', Lasten auf der Sache dingliche Belastungen, die erhalten bleiben
sollen, so ist beschränkend hinzuzufügen: vorbehaltlich der durch diese Rechte
gegebenen Genußbeschränkungen.
33) Damit soll nicht behauptet sein, daß dieser animus gerade in dem
Momente der sich vollziehenden Tradition vorliegen müsse: die Erklärung
des animus und der Besitzerwerb können zeitlich auseinanderfallen. Vgl.
Bekker, das Recht des Besitzes S. 86 fgg.
34) kr. 34 §. 4 de eontr. empt. fr. 28 de A. v. A. P.

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