Full text: Volume (Bd. 19 = N.F Bd. 7 (1881))

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Dr. O. Senet,

Diese beiden Arten von Absichten decken sich offenbar kei-
neswegs. Der animus rem sibi habendi ist nicht auf einen
Rechtserfolg, sondern auf etwas rein Thatsächliches gerichtet: es
ist die Absicht die Sache als Körper, als Quelle von Nutzen und
Ertrag, als Gegenstand eines Gebrauchs für sich zu haben, eine
Absicht, die der Dieb und Räuber, dem sein Recht oder Unrecht
völlig gleichgiltig ist, ebenso gut hat wie der ehrliche Erwerber.
Kann doch auch, wie die römische Lehre von den Verpflichtungen
des Verkäufers erweist, das rem hadere zu Gunsten Jemands
verwirklicht sein, ohne daß ihm Eigenthum verschafft ist, und
umgekehrt ihm trotz verschafftem Eigenthum mangeln, wie z. B.,
wenn ihm die Sache schon mancipirt, nicht aber tradirt ist.
Das rem hadere ist mit einem Wort der IHatsächliche Zustand,
aus dessen Herstellung und Schutz das Eigenthumsrecht gerichtet
ist, aber es ist nicht das Eigenthum selber.
So wäre ja, wird man mir einwenden, die zu wirksamer
Occupation, Derelietion, Eigenthumstradition erforderte Absicht
keine andere als die zu Erwerb, Aufgabe, Uebertragung des
juristischen Besitzes als solchen erforderte: wie verträgt sich da-
mit die zweifellose Thatsache, daß der Besitz vom Eigenthümer
mit Absicht und doch ohne gleichzeitige Aufgabe des Eigenthums
aufgegeben, daß er mit Absicht und doch ohne gleichzeitige Ueber-
tragung des Eigenthums tradirt werden kann 2 5)? Dieser Ein-
wand hat nur den oberflächlichsten Schein für sich. So wahr
es ist, daß der Erwerb des selbständigen (nicht abgeleiteten)
juristischen Besitzes den animus rem sibi habendi voraussetzt,
so unrichtig ist die freilich sehr verbreitete Ansicht, welche den
auf Ausgabe oder Uebertragung des bloßen Besitzes ge-
richteten Willen mit dem aus Aufgabe oder Uebertragung der
Sache selbst gerichteten identifieirt. Schon dem Aelius Gallus
25) Man denke an den iaetns mercium, die emptio venditio pos-
sessionis.

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