Full text: Volume (Bd. 19 = N.F Bd. 7 (1881))

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vr. O. L enel
tragschlusses hat; nicht das, was er, in rechtlicher Beziehung
zur Reflexion gebracht, sehr wahrscheinlich gedacht und gewollt
haben würde, mit dem, was er wirklich denken und wol-
len mußte, um ein rechtsgiltiges Geschäft zu Stande zu brin-
gen. Nur dieser letztere Wille ist Thatbestandsmoment des
Rechtsgeschäfts.
So kann ich mich denn auch mit der Formulirung E i s e l e 's7 8 9)
nicht einverstanden erklären, welcher Schriftsteller, indem er dar-
an sesthält, daß das Wollen der Rechtsfolge das eigenthümliche
Merkmal des Rechtsgeschäfts sei, memt, dieses Wollen könne
vorhanden sein, ohne ins Bewußtsein zu treten. Bei Lichte
besehen ist dieser angeblich unbewußte Wille — ein - Begriff,
dessen sonstige psychologische Berechtigung hier dahingestellt blei-
ben kann — kein Wille, und die irrige Meinung, er exiftire,
rührt nur daher, daß man das, was die Partei bei Ueberlegung
wahrscheinlich gewollt haben würde, für ihren actuellen Willen
nimmt. Und noch weniger haltbar scheint mir die Ansicht K a r-
lowa's^), daß der einzelne Laie, der ein Rechtsgeschäft vor-
nehme, sich zwar das, was das Recht ihn wollen lasse, nicht
immer „klar" zum Bewußtsein bringe, daß aber Recht und
Rechtswissenschaft für diesen unglücklichen Laien denken und in
begriffsmäßige, juristische Gestalt bringen, was von ihm un-
vollkommen, in nicht juristisch technischer Fassung gedacht und
gewollt sei. Das kommt, wie Kohl ero) sehr richtig bemerkt,
auf den Satz hinaus: wo der Wille nicht ausreicht, wird zur
Fiction geschritten. Karlowa fühlt deutlich, daß der Geschäft-
schließende das, was nicht das Recht, sondern eine irrige Theorie
ihn wollen läßt, nicht wirklich zu wollen braucht, um ein gilti-
ges Geschäft zu Stande zu bringen. Statt aber nun jene Theorie

?) Krit. Vierteljahrsschr. XX, S. 7.
8) Rechtsgeschäft, S. 177.
9) Jahrb. f. Dogm. xvi, S. 330 Nr. l.

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