Full text: Volume (Bd. 19 = N.F Bd. 7 (1881))

Ein Besitzprozeß.

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fructuars eines Grundstücks, das interdictum de vi armata
gehabt habe, wenn er mit bewaffneter Mannschaft von dem
Grundstück vertrieben sei. Ich vermag Keller in seinen desfälli-
gen Deductionen nicht zu folgen, halte vielmehr, für den Fall,
daß auf den Besitz nichts ankam, die Frage für berechtigt, wo-
raus denn Cäcina, der nie Detentor gewesen war, vertrieben
sein, oder wovon Aebutius ihn gewaltsam zurückgehalten haben
soll. Cicero läßt sich auf diese Frage nicht ein, indem er sich
mit der Nachweisung begnügt, daß es bei dem fraglichen Inter-
dict nicht auf den Besitz, sondern nur aus die Dejection an-
komme , und, nachdem er sich noch über die Verschiedenheit der
beiden Interdicte ausgesprochen, den Gegenstand mit den Wor-
ten verläßt: Atque in hoc ego Caecinam non defendo, pos-
sedit enim Caecina, recuperatores. Es folgt dann die
Ausführung der schon besprochenen Gründe, aus welchen Cä-
cina den Besitz gehabt haben soll. Der Nachweisung, daß es
aus den Besitz nicht ankomme, wird also mit der Nachweisung
die Spitze abgebrochen, daß Cäcina allerdings im Besitz gewe-
sen sei. Der Nachweisung, daß Cäcina Besitzer gewesen sei,
wird aber sofort wieder hinzugefügt, daß es auf den Besitz nicht
ankomme. Man könnte nun vermuthen, daß dem Redner
der Gedanke vorgeschwebt habe, Cäcina sei entweder aus seinem
Besitze oder falls er nicht Besitzer gewesen sein sollte, doch wenig-
stens aus seinem Eigenthum vertrieben oder verhindert sich
in sein Eigenthum hinein zu begeben, zumal da er in §. 35 ff.
den Piso wiederholt fragt: Was würdest du thun Piso, wenn
bewaffnete Menschen dich heute domum tuamredeuntem,
daran verhindern sollten? Würde der Prätor dazu schweigen,
würde er kein Mittel haben, dich in dein Haus wieder einzu-
setzen? (§. 36 4). Und ich möchte allerdings glauben, daß die
4) Vergl. §.89 — — si quis te ex aedibus tuis vi armatis ho-
minibus dejecerit, quid ages?

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