Full text: Volume (Bd. 19 = N.F Bd. 7 (1881))

Ein Besitzproceß.

143

(Aebutius) ejus fundi et fructus testamento viri fuerat
Caesenniae. Auch diese Worte ergeben deutlich, daß Cicero
annimmt: nicht der Nießbrauch, den Cäsennia schon vor dem
Verkauf gehabt hatte, sei der Grund ihres Besitzes, sondern der
in ihrem Austrage erfolgte Ankauf. Erst seit dem Ankauf
soll sie im Besitz gewesen sein, woraus grade umgekehrt hervor-
geht, daß Cicero dem Nießbraucher keineswegs juristischen Besitz
zuschreibt. So erklären sich auch die Worte, welche Cicero dem
Gegner in den Mund legt: Aebutius sagt freilich, daß Cäsennia
den fundus nur in ihrer Eigenschaft als Nießbräucherin (also
naturaliter) besessen habe. Man kann einwenden, daß Cicero
doch zu Piso sagt: Caesenniam propter usumfructum pos-
sedisse non negas. Allein in welchem Zusammenhänge Piso
sich ausgesprochen hat, wissen wir nicht. Er könnte z. B. gesagt
haben: daß Cäsennia den fundus wegen ihres Nießbrauchs be-
sessen hat, läßt sich nicht leugnen, wenn Aebutius das Grund-
stück im Aufträge derselben gekauft hat, aber dieser Auftrag ist
nicht ertheilig. — Wenn wir nun davon ausgehen, daß
Cicero annimmt, Cäsennia sei Eigenthümerin und als solche
Besitzerin des fundus gewesen, so konnte er mit Recht der An-
sicht sein, daß Cäsennias Pächter auch ihrer Erben Pächter sei,
da das Pachtverhältniß aus die Erben überging. Man hat da-
her keinen Grund, ihm mit Hotomanus (1. c. ad §. 94, verb.
heres eodem jure possederit) vorzuwerfen, daß er wider bes-
seres Wissen plaidirt habe. Man hat noch weniger Grund die
Vertheidiger Ciceros so heftig anzugreifen, wie Hotomanus es

l) Weil er dies leugnete, war Ciceros Deduktion für ihn irrelevant,
weshalb er kein Gewicht darauf legen konnte. Möglich ist auch, daß er
nur den Naturalbesitz oder die juris quasi possessio der Cäsennia zuge-
standen hat. Letzteres nimmt Savigny an. Die Annahme, daß Cicero
dem Nießbraucher als solchem die possessio oder compossessio zugeschrieben
habe, wäre nur statthaft, wenn eine andere Auffassung nicht möglich wäre.

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.

powered by Goobi viewer