Full text: Volume (Bd. 19 = N.F Bd. 7 (1881))

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E. Ruhstrat,

Nießbräucherin gewesen, so liegt die Sache ganz anders. Denn
da mit dem Tode der Nießbräucherin der Nießbrauch und die
Ausübung desselben durch den Pächter, also der Pachtcontract
von selbst aufhörte (I. 9, §. 1 D. locati 19. 1), so hatte der von
Zeugen bekundete Umstand, daß Cäcina sich nach dem Tode der
Cäsennia auf das Grundstück begab und mit dem Pächter ab-
rechnete, nur die Bedeutung einer zwischen den Erben der Ver-
pächterin und dem Pächter erfolgenden Auseinandersetzung in
Beziehung auf die verflossene Pachtzeit *), wogegen derselbe in
Ansehung der Apprehension des Besitzes bedeutungslos war.
An eine stillschweigende Uebereinkunft zwischen dem Pächter, der
nicht mehr Pächter war, und Cäcina dahin, daß jener für die
Erben der Cäsennia zu detiniren habe, kann nicht gedacht
werden.
Was nun die Umstände betrifft, durch welche Cicero den
Beweis zu führen suchte, daß Aebutius den kunäus im Aufträge
der Cäsennia gekauft habe, so gehen sie im Wesentlichen dahin:
Zunächst zeichnet er den Aebutius so nachtheilig wie möglich,
wobei er sich darauf beruft, daß die Recuperatoren denselben
aus dem täglichen Leben kennen. Er nennt ihn Frauenschmeich-
ler, Wittwenbeistand, unter Männern abgeschmackt und ein-
fältig, unter Weibern gewandt und rechtskundig. Dann be-
hauptet er, daß Aebutius sich der Cäsennia als Rathgeber
aufgedrängt und schon längere Zeit aus dem Wittwenstande und
der verlassenen Lage derselben sich eine Nahrungsquelle gemacht
habe (viduitate ac solitudine aleretur. §. 13). Ich bemerke
dazu, daß Cäsennia ihn in ihrem Testamente bedacht und ihn,
wie es scheint, noch als Sachwalter beibehalten hat, nachdem
sie Cäcina schon geheirathet hatte, die verlassene Lage der
Wittwe also nicht mehr vorhanden war. Dann bemerkt Cicero
1) So auch Savigny, Besitz ed. 7 §. 40 S. 426 N. 4 und Keller
a. a. O. eap. 1 §• 4 p. 353.

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