Full text: Volume (Bd. 19 = N.F Bd. 7 (1881))

Skizzen. I. Das Zinsmaximum beim foenus nauticum. 9
haben. Warum eine Strafe für verspätete Zurückzahlung? Der
Gläubiger erhält ja für die Zeit der Verspätung die bedungenen
Landzinsen. Als Antwort läßt sich nur die denken: letztere
genügt ihm nicht, er will sein Geld möglichst rasch zurückerhal-
ten, um es von neuem für sein Geschäft zu verwenden.
Hat der Anleiher ihm aber für die Zeit, wo er an Land ist,
nichts als die bedungenen höchsten gesetzlichen Zinsen zu entrich-
ten, so hat er kein nennenswerthes Interesse, sich nach einem
andern Gläubiger umzusehen, mit dessen Gelde er ihn befrie-
digt. Angenommen, er kann das Geld zu 8 p. c. erhallen, so
beträgt die Differenz der Zinsen, welche er seinem neuen Gläu-
biger , und derjenigen, welche er seinem bisherigen zu entrichten
hat, nur 4 p. c. fürs Jahr, also nur V3 für den Monat. Kann
er das Geld gar nur zu 12 p. c. erhalten, so hat er nicht das
mindeste Interesse daran, ein neues Darlehn zu suchen.
Dazu aber soll er gezwungen werden, und das ist der
Zweck der „po6na pecuniae trajectitiae“.
Worin bestand dieselbe?
Nicht in einer Conventionalpön für verspätete Berichtigung
des Capitals. Die römischen Juristen wandten aus gutem
Grunde die Bestimmungen über das gesetzliche Zinsmaximum
auch auf die Conventionalpön beim Darlehn an *), weil dieselben
sich sonst mittelst letzterer aufs leichteste hätten umgehen lassen.
Davon machten sie auch zu Gunsten der Landzinsen beim See-
darlehn keine Ausnahme — alles, was in Bezug auf sie zur
Umgehung der Zinsbeschränkungen geschieht, ist nichtig ?).
Das Mittel, dessen sich die Darleiher eines Seedarlehns für
diesen Zweck bedienten, bestand in einem Zuschlag zu den gesetz-
lichen Zinsen, der ebenfalls wie letztere nach der Zeitdauer des
1) 1. 13 §. 26 de act. emt. (19. 1), I. 44 de usur. (22. 1).
2) 1. 4 pr. de foen. naut. (22. 2) . . . majus legitima usura foenus
non debebitur.

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.

powered by Goobi viewer