Full text: Volume (Bd. 14 = N.F Bd. 2 (1875))

Der UrkundenbewLis.

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8 7.
Wenden wir uns nun zu den Urkunden, die ihrem In-
halt nach nicht als juristische Thatsache, sondern als Beweis-
mittel in Betracht kommen.
Hier tritt uns der wesentliche Unterschied zwischen öffent-
lichen und Privat-Urkunden entgegen.
Eine Urkunde, welche ein öffentlicher Beamter oder eine
öffentliche Behörde innerhalb ihrer Zuständigkeit und in der
für solche Urkunden vorgeschriebenen Form über eine Thatsache
ihrer amtlichen Wahrnehmung ausstellt, gilt als vollbewei-
sendes Z eugniß für diese Thatsache. Diese amtliche Wahr-
nehmung kann eine eigene Thätigkeit des Beamten (z. B. bei
Protestaufnahmen) oder auch die Thätigkeit einer anderen Per-
son (z. B. eine vor dem Beamten abgegebene Erklärung)
oder auch einen rein objektiv Vorgefundenen Thatbestand zum
Gegenstand haben.
Auf der Kraft dieses Zeugnisses beruht die Kraft beglau-
bigter Urkunden, d. h. solcher Urkunden, deren Ausstellung durch
eine bestimmte Person, oder deren Uebereinstimmung mit einer
anderen ihm in beweisender Form vorgelegten Urkunde ein
öffentlicher Beamter beurkundet hat.
Was insbesondere solche von öffentlichen Urkunden genom-
mene beglaubigte Abschriften betrifft, so gilt im Allge-
meinen die Regel, daß sie dem Original gleichstehen. Da aber
doch immer die Frage, ob das dem beglaubigenden Beamten
vorgelegte Original alle Kennzeichen der Aechtheit an sich ge-
habt, mehr oder weniger auf einem Urtheil beruht, so empfiehlt
es sich legislatorisch, dem Gerichte das Recht einzuräumen,
wenigstens alsdann, wenn der Producent zur Vorlage des Ori-
ginals ohne Schwierigkeiten im Stande ist, auf dieser Vorlage
zu bestehen«
Rücksichtlich der Frage, ob gegen das urkundliche Zeugniß

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