Full text: Volume (Bd. 14 = N.F Bd. 2 (1875))

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Henriei,

So oft dieselbe Sache einem Gläubiger für verschiedene
Forderungen verpfändet wird, geschieht dies natürlich entweder
gleichzeitig oder successive, und es möchte daher den Anschein
gewinnen, als wenn dem in der 1. 101 §1 aufgestellten Prinzip
kein Spielraum für seine Anwendbarkeit übrig bleibe. Aber
schon der oben erwähnte von Marcellus I. 73 h. t. referirte
Fall^) zeigt uns, wie irrig eine solche Annahme sein würde,
und selbst die phantasiereichste Casnistic wird nie einen voll-
ständigen Ueberblick gewinnen über alle möglichen Fälle, für
welche es von Wichtigkeit bleibt, an dem Grundprincip festzu-
halten und sich daran zu erinnern, daß auch da, wo es an
besonderen Bestimmungen fehlt, nicht zurückgegrissen werden
darf auf die bei der Zahlung anwendbaren Grundsätze'^).
Wir haben uns nur beschäftigt mit dem Fall, wo der
Pfanderlös nicht ausreicht zur Deckung aller Forderungen, für
welche dem Gläubiger die von ihm verkaufte Sache verpfändet
war. Im umgekehrten Fall, wo nach Tilgung aller Forde-
rungen, für welche die Sache pfandrechtlich haftete, noch ein
Ueberschuß übrig bleibt, und nun die Frage entstehet, ob und
auf welche seiner sonstigen Forderungen der Gläubiger den
Mehrerlös anrechnen darf, macht sich nicht der von Pau-
lus in der 1. 101 § 1 h. t. hervorgehobene Gegensatz
zwischen Zahlung und Selbstbefriedigung durch den Verkauf
des Pfandes geltend, sondern es entscheidet sich diese Frage
einfach nach den für das Compensationsrecht geltenden Grund-
sätzen. Der Schuldner erlangt in solchem Fall einen Anspruch
aus Herausgabe des Mehrerlöses, und der Gläubiger kann gegen

lichen Rescripts ist verschieden ausgelegt worden, hat aber für das heutige
Recht keine Bedeutsamkeit.
58) Vgl. § 6.
59) Als Beleg dafür mag auf den in der Anm. 61 mitgetheilten
Fall verwiesen werden.

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