Full text: Volume (Bd. 14 = N.F Bd. 2 (1875))

Ueber die Frage: auf welche von mehreren Forderungen re. 477-
Die Regel, daß klagbare Zinsen vor dem Capital den
Borrang haben, wenn es sich darum handelt, ob die Zahlung
auf das Capital oder die Zinsen desselben abzurechnen sei^"),
geht offenbar von der Betrachtung aus, daß nicht leicht ein
Gläubiger sich dazu verstehen werde, einen Abtrag auf das
Capital anzunehmen, so lange noch Zinsen rückständig seien,
während die weittragendste aller Regeln, nämlich daß zunächst
auf die lästigere Schuld abzurechnen sei, in Berücksichtigung
zieht, daß der Schuldner als diligens paterfamilias seine
Bestimmung so hätte treffen müssen46).
werden dürfe, so wenig läßt sich andererseits das Unrichtige der Steiner-
schen Ansicht verkennen. Denn, wo im einzelnen Fall die Sachlage
die ist, daß eine Bestimmung als stillschweigends getroffen anzunehmen,
da kommen die gesetzlichen Regeln überall nicht zur Anwendung. Die
Zulassung einer allgemeinen Ausnahme von der Regel, daß zunächst
ans die fällige Forderung anzurechnen sei, stimmt aber so wenig mit
den gesetzlichen Vorschriften überein, als sie in inner« Gründen ihre
Rechtfertigung finden kann, da es ja doch immer von den eonereten Ver-
hältnissen, von der größeren oder geringeren Nähe des Verfalltages, von
der Beschaffenheit der übrigen bereits fälligen Forderungen abhängt, ob
mit Wahrscheinlichkeit angenommen werden darf, daß ans die noch nicht
fällige Forderung, für welche eine Conventionalstrase stipulirt ist, die
Zahlung hat beschafft sein sollen.
43) Vgl. L 1 Cod. n. l. 5 8^ u. 3 Dig. h. t. 'Natürlich darf
man diese Regel nicht so verstehen wollen, als wenn alle rückständigen
Zinsen sümmtlicher Forderungen berichtigt sein müßten, bevor überhaupt
eine Anrechnung ans das Capital erfolgen könne. Sie regelt vielmehr
nur das Verhältnis^ von Capital und Zinsen, ohne die Raitgordttuitg
der einzelnen Forderungen zu alteriren: und so lange nicht die vorge-
hende Forderung an Capital und Zinsen vollständig berichtigt ist, tritt
eine Anrechntlng ans die Zinsen der nächstfolgenden Forderung nicht ein.
46) Vgl. l. 07 \). h. t. tum ex pluribus causis debitor pecu-
niam solvit , utriusque demonstratione cessante potior habebitur
causa ejus pecuniae, quae sub infamia debetur, mox ejus, quae
poenam continet, tertio quae sub hypotheca vel piguore contracta
est; post hunc ordinem potior habebitur propria, quam aliena causa,
veluti iidejussoris. Quod veteres ideo definierunt, quod

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