Full text: Volume (Bd. 14 = N.F Bd. 2 (1875))

Hebet die Frage: auf welche von mehreren Forderungen rc. 449
verbindet, auf welche Forderung er die Zahlung anrechnen
werde. Denn vor Abschluß des Zahlungsgeschäfts hat es
Geltung, was die 1. 2 hervorhebt: der Schuldner kann durch
non dare, der Gläubiger durch non accipere das Zustande-
kommen des Vertrags verhindern. Nach erfolgtem Abschluß
des Geschäftes kann aber wieder nicht davon die Rede sein,
daß der Gläubiger eine den Schuldner bindende Bestimmung
solle treffen können. Daher stellt es denn auch Ulpian als
nothwendige Bedingung hin, daß die Bestimmung in conti-
nenti (in re praesenti, iioe est statiin atgue solutum est)
erfolge, und im kr. 3 wird noch verstärkend hinzugefügt „cete-
rum postea non permittitur".
Fragt man nun aber, wie kommt denn Ulpian dazu, nach-
dem er vorher von der dem Schuldner unbeschränkt zustehenden
Befugniß zur beliebigen Benennung der zu tilgenden Forde-
rung gesprochen, beim Uebergang zu dem Fall, wo von dieser
Befugniß kein Gebrauch gemacht wird, sich nur mit der Frage
zu beschäftigen, unter welcher Voraussetzung die Bestimmung
des Gläubigers für den Schuldner bindend sei, so könnte man
einfach darauf antworten: weil es die einzige Frage ist, die
der Lösung bedarf. Aber die Jdeenverbindung, die ihn auf
diese Frage geführt hat, liegt doch wohl recht nahe. Während
die const. 1. 0. nur von der Befugniß des Schuldners zur
Benennung der zu bezahlenden Forderung spricht, befaßt sich
Ulpian in 1. 1 Dig. auch mit der Frage, welche Folge sich
an die getroffene Bestimmung knüpft. Ihm erscheint es un-
nöthig hervorzuheben, daß die Annahme der Zahlung hinzu-
kommen müsse, damit die benannte Forderung getilgt werde.
Dagegen hält er es nicht für überstüssig, sein apodictisches „et
quod dixerit id erit solutum" auszusprechen, aber sicherlich
nicht in Hinblick auf den Fall, wo der Gläubiger die Zahlung
einfach annimmt, oder gar der Bestimmung des Schuldners

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