Full text: Volume (Bd. 14 = N.F Bd. 2 (1875))

Ueber die Frage: auf welche von mehreren Forderungen re. 447
den, wenn man die Natur des Geschäftes der Zahlung immer
scharf im Auge behalten und sich Rechenschaft gegeben hätte,
welche Grundsätze mit einem solchen, von dem Willen der Be-
theiligten beherrschten, Geschäfte verträglich seien.
Die 1. 1. Cod. h. t. hat vielleicht am meisten Veran-
lassung geboten zu einer über den einfachen Wortsinn hinaus-
gehenden Interpretation. Denn in der That begreift es sich
schwer, warum sie denn überhaupt ausgenommen ist, wenn die
beiden Sätze: „In potestate e)us 68t, qui ex pluribus con-
tractibus debet, tempore solutionis exprimere, in quam
causam reddat. Quodsi debitor id non fecit, convertitur
electio ad eum, qui accepit“, nur aussprechen sollten, was
sich ohnehin von selbst versteht, nämlich daß der Schuldner es
bei der Zahlung in der Hand hat, die Schuld zu bezeichnen,
welche er damit tilgen will, und daß, wenn er dies nicht thut,
der Gläubiger in die Lage kommt, nun seinerseits bei Annahme
der Zahlung mit der Erklärung seines Willens Vorgehen zu
können. Es hätte daher wohl nahe gelegen in die Worte: „con-
vertitur electio ad eum, qui accepit“ beu Gedanken hin-
einzutragen : der Schuldner, welcher bei der Zahlung keine Be-
stimmung treffe, stelle es in die Willkür des Gläubigers, wo-
rauf dieser die Zahlung anrechnen wolle, und dürfe also der
beim Empfange getroffenen Wahl keinen Widerspruch entge-
gensetzen^'^). Diesen Jrrthum hat die 1. 1. Dig. h. t. nicht
anfkommen lassen; dagegen haben sich nun alle Zweifel und
Jrrthümer auf diese Stelle abgewälzt.
Wir haben oben gesehen, auf welche Abwege Ulpian ge-
führt hat, weil er im ersten Theil der 1. 1. über die dem
Schuldner selbstverständlich zustehende Befugniß, bei der Zah-
2d) Der hinzugefügte Schlußsatz: Si neuter voluntatem suam ex-
pressit, prius in usuras id quod solvitur, deinde in sortem accepto
feretur scheint auch nur geeignet, eine solche Annahme bestätigen zu sollen.

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