Full text: Volume (Bd. 14 = N.F Bd. 2 (1875))

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Henri ci,

Nach ihm ist es zunächst der Wille des Zahlenden, welcher
der Zahlung ihre Kraft verleiht, und daher kommt es zunächst
auf den bei der Zahlung selbst geäußerten Willen des Zah-
lenden an. „Ist dieser nicht geäußert worden, so soll der Cre-
ditor denselben suppliren und zwar, wie es das Interesse des
Schuldners mit sich bringt."
Auch darüber, worin die gesetzliche Beschränkung des Be-
stimmungsrechtes des Gläubigers bestehe, sind die Ansichten
sehr getheilt. Einige wollen die Regeln, welche das Römische
Recht für den Fall aufstellt, wo es ungewiß geblieben, auf
welche Forderung abzurechnen sei, auch hier angewandt wissen.
Andere meinen, es komme nur darauf an, was im einzelnen
Fall die Wahrung des Interesses des Schuldners erfordere,
und wieder Andere, es sei lediglich darauf zu sehen, welche
causa als die durior zu betrachten sei, und v. Bangerow end-
lich will die Beschränkung nur darin finden, daß der Gläubiger
die Zahlung nicht auf eine noch nicht fällige, oder auf eine
bloße Bürgschastsschuld abrechnen dürfe.
Wir haben also auch hier das bunteste Durcheinander der
verschiedensten Ansichten vor uns. Und giebt denn wirklich der
zweite Theil der 1. 1 D. h. t. zu so vielen Zweifeln Veran-
lassung? Ich glaube nicht. Aber bekanntlich ist die Gefahr
der Mißdeutung nicht weniger groß, wenn Gesetze nur aus-
sprechen, was sich ohnehin von selbst versteht, als wenn sie
Vorschriften geben, welche an einer gewissen Unklarheit leiden,
weil sie nicht deutlich genug die Voraussetzungen, auf welche
sie berechnet sind, erkennen lassen; und hier hat nicht nur beides
zusammengewirkt, sondern es kommt auch weiter noch hinzu,
daß die recht unvollständige und mangelhafte Behandlung,
welche unsere Frage in den Quellen gefunden, an Durch-
sichtigkeit und Klarheit viel zu wünschen übrig läßt.
Alle Verirrungen wären jedoch sicherlich vermieden wor-

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