Full text: Volume (Bd. 14 = N.F Bd. 2 (1875))

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0. Bähr

Wer also brieflich 100 Stück Cigarren bestellen will, sich
aber verschreibt, und „1000 Stück" schreibt, mag die Tausend
auch behalten. Wer von zwei gleichzeitig ihm vorliegenden
Offerten die des A annehmen, die des B ablehnen will, aber
bei der Adressirung die Briefe verwechselt, so daß B den an-
nehmenden, A den ablehnenden Brief erhält, wird dem B —
vorausgesetzt, daß der Inhalt des Briefs den Jrrthum überall
nicht erkennen ließ — aus der Annahme haften müssen.
Hierher gehört ferner der Fall der Willensmittheilnng
durch einen Boten, wovon ich bereits früher gehandelt. In
der Haftbarkeit des Absenders für die falsche Ausrichtung des
Boten bin ich mit I. einverstanden, nur glaube ich den Be-
griff des „Boten" weit enger beschränken zu müssen.
Und endlich gehört hierher der Fall einer unrichtigen Be-
stellung durch den Telegraphen. Derjenige, welcher den Telegraph
sich dienstbar macht, muß wissen, daß dabei Unrichtigkeiten
Vorkommen können, und er kann daher nicht ablehnen, das-
jenige gegen sich gelten zu lassen, was der Andere als Inhalt
des durch den Telegraph vermittelten Rechtsgeschäfts in gutem
Glauben angenommen hat. Dabei braucht übrigens derjenige,
auf welchem der Nachtheil hasten bleibt, nicht immer der Ab-
sender des Telegramms zu sein. Unterstellen wir folgenden
Fall: A schreibt dem B: „Benachrichtigen Sie mich, zu wel-
chem Preise Sie mir 200 Centner Kartoffeln sofort liefern
können"; B wählt für diese Benachrichtigung den Telegraphen,
und gibt folgendes Telegramm auf: „Den Centner zu 29 Sgr.";
der Telegraph bestellt aber: „den Centner zu 21. Sgr."; und
A acceptirt hierauf das Angebot'^): so würde, da B kraft eigenen
Entschlusses für seine Willenserklärung sich des Telegraphen
bedient, das bei A an gelangte Telegramm für den Inhalt
22) Vgl. Seuffert Arch. Bd. 60 Nr. 116.

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