Full text: Volume (Bd. 14 = N.F Bd. 2 (1875))

414 O. Bähr.
läge der Schuldner gutgläubig an den Cessionar Zahlung ge-
leistet hat.
Gleiches würde man bei schriftlichen Nachstandserklä-
rungen , Einwilligungen in Pfandrechts-Löschungen u. s. w. an-
nehmen dürfen, wenn Dritte auf Grund solcher Urkunden im
guten Glauben Rechte erwerben.
Wenn dagegen A einen Darlehnsschein zu Gunsten
des B ausstellt, C entwendet ihn vor der Ausgabe und läßt
sich auf denselben von B das Geld auszahlen, so wird es be-
denklich sein, den A hier haftbar zu erklären. Denn in dem
bloßen Besitz des Darlehnsscheins konnte B keinen Grund fin-
den, den C zur Empfangnahme des Darlehns für ermächtigt
zu halten. Noch unzweifelhafter aber ist. es, daß, wenn B
selbst den Darlehnsschein entwendet und dann einem Dritten
cedirt hätte, der Cessionar, auch wenn er im besten Glauben
sich befand, keine Forderung von A haben würde; denn der
Cessionar kann niemals mehr Rechte erwerben, als sein Cedent
hatte.
Mehr nach der anderen Seite neigt wieder der Fall,
wenn wir uns an die Stelle des Darlehnsschein eine Quittung
denken. Es ist so allgemein üblich, zur Empfangnahme einer
Zahlung mittelst Einhändigung der darüber lautenden Quit-
tung zu bevollmächtigen, daß das Recht schwer diese Sitte igno-
riren kann '^). Wenn daher ein Schuldner auf eine in völlig
unverdächtiger Weise von einem Dritten ihm überbrachte Quit-
tung Zahlung leistete, so wird sich vertheidigen lassen, daß der
Aussteller der Quittung es zu tragen habe, wenn etwa diese
16) Im (Gebiet des Handelsverkehrs ist dies ausdrücklich erkannt
durch die Vorschrift in Art. 296 d. HGV.

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