Full text: Volume (Bd. 14 = N.F Bd. 2 (1875))

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O. Bahr,

Bedeutung dieser bei der logischen Interpretation allgemein
angenommenen Grundsätze dadurch nicht das Geringste an Ge-
wicht, daß derjenige, zugesteht, überhaupt etwas gewollt zu
haben. Denn die Beurtheilung des Umfanges (der theilweisen
Existenz) des Willens beruht auf keinen anderen Grundsätzen,
wie die der Existenz überhaupt.
Wenn die Römer, die bei der Auslegung der Verträge
unzweifelhaft von den nämlichen Gesichtspunkten ausgingen,
dies nicht klar aussprachen, so sind dafür zwei Gründe vor-
handen. Einmal fiel die Untersuchung der Frage/ ob und in
wieweit neben der vorhandenen äußeren Erscheinung des Wil-
lens ein entgegengesetzter innerer Willen zu berücksichtigen sei,
dem Verfahren in juäieio anheim; sie war im Sinn des röm.
Prozesses eine „ Beweis frage", und Fragen dieser Art finden
wir überhaupt seltener erörtert. Sodann waren die Römer
gewiß nicht so skrupulös, da, wo eine genügsame äußere Er-
scheinung des Willens vorlag, überhaupt den Gedanken an
einen davon abweichendeil inneren Willen aufkommen zu lassen.
Als praktische Leute ignorirten sie diese Innerlichkeit, und waren
sich daher der in der objektiven Beurtheilung liegenden even-
tuellen Fiktion kaum bewußt; gerade so wie unsere Praxis,
die alle Tage jene Grundsätze anwendet, sich derselben kaum
bewußt ist.

8 4.
Was nun den näheren Ausbau des von mir aufgestellten
Princips anlangt, so kann ich mir in dieser Beziehung die von
I. aufgestellten Lehren fast ganz aneignen.
Es kommt einerseits darauf an, daß derjenige, welcher
aus der äußeren Erscheinung des gegnerischen Willens Rechte
ableitet, bei der Annahme, daß der Wille des Gegners dieser

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