Full text: Volume (Bd. 14 = N.F Bd. 2 (1875))

Ueber das constitutum possessorium.

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lich dann nicht, wenn die Pachtzeit nur noch kurz war, so daß
der Käufer bei der Austreibung kein Interesse haben konnte,
ferner wenn der Pächter versprochen hatte, sich die Veräußerung
gefallen lassen zu wollen, und endlich, wenn der Käufer dem
Verkäufer versprochen hatte, den Pachtcontract auszuhalten, in-
dem nicht bloß der letztere, sondern auch der Pächter sich dem
Käufer gegenüber auf dies Versprechen berufen konnte37). In
1. 12 D. de vi heißt es, daß der Besitzer nicht dejicirt sei,
wenn der Pächter ihn ex Msta et laudabili causa zurück-
gewiesen habe. Trotzdem könnte mit der Zurückweisung eine
Besitzstörung verübt sein; aber würde der Jurist die causa
eine justa und laudabilis (oder rationabilis. 1. 20 D. de
poss.) genannt haben, wenn durch sie nur die Dejeetion, nicht
die Störung, ausgeschlossen würde?
3) Die Gesetze auf welche man sich dafür zu berufen
pflegt, daß der Pächter für die Besitzergreifung des Käufers
kein Hinderniß ist, sind nicht beweisend. L. 9. Cod. loc.
cond. (4. 65) bezieht sich auf einen speeiellen Fall, in dem
die Besitzergreifung schon erfolgt war. L. 25 § 1 D. loc.
cond. (19. 2) giebt dem Verkäufer eines verpachteten Grund-
stücks den Rath, den Käufer zu dem Versprechen zu veran-
lassen, daß er den Pachtcontract aushallen wolle, weil er,
der Verkäufer, sich sonst einer Entschädigungsklage des Pächters
aussetze, wenn diesem etwa die fernere Nutzung des Grund-
stücks untersagt werde. Es ergiebt sich daraus nicht mehr,
als daß der Käufer den Besitz und das Eigenthum erwerben
kann, aber nicht ob und wie er es kann, wenn der Pächter
sich widersetzt. Der Pächter kann die Besitzergreifung ja auch
ruhig geschehen lassen, um sich auf die Entschädigungsklage
gegen den Verpächter zu beschränken. Uebrigens wurden diese

37) Vgl. Unger in den Jahrb. für Dogm. Bd. 11 S. 22 Note 25.
XIV. N. F. II. 25

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