Full text: Volume (Bd. 14 = N.F Bd. 2 (1875))

Heber das constitutum possessorium.

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Die Beendigung des Besitzes hat also das Erlöschen des ganzen
Repräsentationsverhältnisses nothwendig zur Folge. Es bleibt
nur die natürliche Detention des wirklichen Inhabers, welche
nur seine Detention ist. Nur er ist noch geschützt durch
die actio vi donorum raptorum.
Nach dieser Auffassung des Repräsentationsverhältnisses
läßt sich nun die citirte I. 30 § 6 D. de poss. offenbar nicht
als Beweis dafür anführen, daß der Besitz auch dann durch
constitutum possessorium übertragen werden kann, wenn
er durch Stellvertreter ausgeübt wird. Um sie als Beweis
benutzen zu können, was namentlich Windscheid thut'^), muß
man sich die Sache etwa so vorstellen, daß der Besitzer seine
bisherige Rolle mit der eines bloßen Besitzrepräsentanten ver-
tauscht, dabei aber seinen bisherigen Repräsentanten in der Hand
behält, indem dieser nach wie vor den Willen hat und haben
muß, für ihn zu detiniren. Diese Auffassung wäre aber
jedenfalls unbegründet, weil der Stellvertreter den Besitz, welchen
er ausübte und ausüben mußte, von dem Augenblick an gar
nicht mehr ausüben kann, in welchem der Besitzer ihn zum
Zweck der Errichtung eines cov8titutum aufgiebt, und weil
er weder verpflichtet ist noch Veranlassung hat, einen neuen
Besitz im Namen des bisherigen Besitzers auszuüben. Der
fortdauernde Wille des gewesenen Stellvertreters den alten
Besitz auszuüben, kann nicht in Betracht kommen, denn es
handelt sich überhaupt nicht mehr um den alten, sondern um
die Begründung eines neuen Besitzes. Diese Neubegründnng
aber richtet sich nach den gewöhnlichen Regeln über den Be-
sitzerwerb. Der bisherige Besitzer muß daher als Stellvertreter
des Dritten, welcher den Besitz erwerben soll, eine Apprehensions-

15) Pand. § 400 Note 7. Vergl. auch Savigny a. a. O. 8 27.
S. 320 Nr. 1.

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