Full text: Volume (Bd. 14 = N.F Bd. 2 (1875))

Ueber das constitutum possessorium.

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nicht, denn der Wille repräsentirt zu werden und zu repräsen-
tiren, ist nicht minder vorhanden, wenn sich nachher ergiebt,
daß der Vertrag, welcher die Repräsentation hervorgerufen hat,
ungültig ist. Ist der Besitzer der Meinung, daß er seine
Sache vermiethet habe, während der Mitcontrahent glaubt,
daß sie ihm zur unentgeltlichen Benutzung überlassen sei, so
ist ein Contract zwar nicht vorhanden, aber die Repräsentation
besteht. Hatte ein Haussohn eine Sache von einem ex-
traneus gemiethet, so verlor der Vertrag mit der capitis de-
minutio seine Wirksamkeit, während die Repräsentation be-
stehen blieb. Unmündige welche inteileetum possidendi
haben7 8), und Sclaven werden für geeignet gehalten, den Be-
sitzer zu repräsentiren. Wenn 1. 25 § 1 D. de poss. (4L 2).
in dieser Beziehung sagt: nee inter eoionum et servum
nostrum, per quem possessionem retinemus, quidquam
interest, so darf daraus freilich nicht gefolgert werden, daß
die Detention des Pächters in keiner Beziehung von der des
Sclaven verschieden ist^). Rach dem Zusammenhänge der
Stelle, will der Jurist nur sagen, daß der Sclave nicht we-
niger zur Repräsentation geeignet ist, als der freie Stellver-
treter. Daß in Folge der Vertragsfähigkeit des letzteren Ver-
schiedenheiten entstehen können, hat damit nicht geleugnet wer-
den sollen. Endlich ist hier noch zu bemerken, daß die Fort-
existenz der der Repräsentation zu Grunde liegenden Rechts-
verhältnisse unabhängig ist von dem Bestehen der Representa-
tion. Diese hört nothwendig auf, sowohl mit der Beendigung
des Besitzes, als mit Beendigung der Detention, während die
Verträge oder dinglichen Rechte davon nicht berührt werden.
Ebenso wie diese, dauert freilich, nach der Beendigung des Be-
7) Arg. 1. 1 § 9 D. de poss. (41. 2).
8) Vgl. Ziebarth, Realexecution u. s. w. S. 16.

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